Sophie Calle baut an ihrem eigenen Mythos. Bereits einfache biografische Angaben zu ihrer Person sind widersprüchlich. In der einen Version habe sie sich als Barfrau, Dompteuse und Stripperin durchgeschlagen und sich – ohne je ein Museum von innen gesehen zu haben – von einem Tag auf den andern entschieden, Künstlerin zu sein. Die zweite Version beschreibt sie als Tochter eines Kunstsammlers, die sich in jungen Jahren einem radikalen Feminismus verschrieben habe. Bei Sophie Calle geraten Kunst und Leben durcheinander. Mit Arbeiten wie «Suite Vénitienne» oder «L’Hôtel», beide um 1980 entstanden, prägte sie das Psychogramm einer Frau, die absonderlichen Obsessionen fr ...