Klimahebelder neuen Art
Hauke G. Bull:
Klima Intelligenz: Wie KI unsere Umwelt neu denkt – künstliche Intelligenz als Werkzeug für globale ökologische Transformation. Epubli, 232 S., Fr. 34.90
Statt nur Prozesse zu beschleunigen, kann die künstliche Intelligenz beim Klimaschutz und bei der Anpassung an neue Risiken ganz konkret Unterstützung leisten. Hauke G. Bull, Experte für Klimaforschung, zeigt in seinem Buch unter dem Titel «Wie KI unsere Umwelt neu denkt» auf, wo datengetriebene Systeme bereits heute Wirkung entfalten: bei Klimamodellen, beim Erkennen von Mustern in grossen Umweltdatensätzen, in der nachhaltigen Landwirtschaft oder in Frühwarnsystemen für Extremereignisse.
Der Autor betont den Nutzen, ohne Technikgläubigkeit zu predigen: Entscheidend sei nicht der Algorithmus an sich, sondern dessen intelligente Einbettung in Forschung, Politik und Umsetzung. Dabei schlägt er die Brücke zwischen Technologie und Wirkung. In diesem Rahmen sieht er Chancen, dass künstliche Intelligenz zum entscheidenden Hebel einer ökologischen Transformation werden kann.
Gleichzeitig blendet das Buch die Schattenseiten nicht aus, als da etwa sind: hoher Energieverbrauch von Rechenzentren, Verzerrungen der Befunde durch schlechte Daten, Abhängigkeiten von Konzernen sowie ethische und gesellschaftliche Fragen. Wer konkrete Fallbeispiele und einen Kompass sucht, wie KI zur ökologischen Transformation beitragen kann, findet hier spannenden Lesestoff.
Warum Moral das Klima nicht rettet
Frauke Rostalski:
Wer soll was tun? Warum wir nicht zum Klimaschutz verpflichtet sind und worin unsere Verantwortung eigentlich besteht. C. H. Beck, 213 S., Fr. 28.90
Wer soll was tun? Damit stellt die Rechtswissenschaftlerin Frauke Rostalski eine Frage, die in der Klimadebatte oft verdrängt wird: Wer trägt wirklich Verantwortung – der Einzelne oder der Staat? Ihre Antwort ist provozierend. Rostalski hält nichts von moralischen Appellen an Konsumenten. Ob jemand weniger fliege, weniger Auto fahre oder anders einkaufe, ändere am Klima praktisch nichts, so lange es keine wirksame politische Steuerung gebe. Selbstkasteiung ersetze keine Klimapolitik.
Stattdessen fordert Rostalski nüchternes Denken. Verantwortung, so ihr Kernargument, müsse dort liegen, wo Entscheidungen Wirkung entfalten: bei Regierungen, Parlamenten und internationalen Abkommen. Klimaschutz sei kein persönliches Tugendprojekt, sondern eine kollektive Aufgabe. Wer alles auf das Verhalten Einzelner abwälze, entlaste die Politik und beruhige das eigene Gewissen, ohne reale Probleme zu lösen.
Das Buch ist klug und frei von Alarmismus. Kritisch bleibt, dass Rostalski die gesellschaftliche Vorbildwirkung individuellen Handelns eher kleinredet. Ganz folgenlos ist persönliches Verhalten politisch nicht. Trotzdem überzeugt ihr zentraler Punkt: Ohne verbindliche Regeln bleibt Klimaschutz Symbolpolitik. Ein unbequemes Buch, das eine oft moralisierende Debatte auf den Boden der Realität zurückholt.

