Je zivilisierter eine Gesellschaft, desto anständiger redet sie über Folter. Heute ist das Wort moralisch und emotional besetzt und kann fast bei jedem Leiden gebraucht werden, das irgendwem aus irgendeinem Grund zugefügt wird. Der gestresste Papa empfindet es als Folter, wenn der Kleine bei seinem elektronischen Spielzeugklavier immer auf die Taste mit dem Donauwalzer drückt. Auch was auf Schweizer Fussballrasen geboten wird, empfinden wir oft als Tortur. Der Schriftsteller George Orwell stellte schon 1946 fest: «Faschismus hat heute keine Bedeutung mehr, es sei denn er bezeichne ‹etwas nicht Wünschenswertes›.» Orwell gab aber zu bedenken, der schlampige Gebrauch der Sprache mach ...