Das Kunsthaus Zürich stellt Ihre Monster-Skulptur, diesen schrecklichen, acht Meter hohen Kopf «Zardoz» im Garten des Chipperfield-Neubaus auf, und alle denken nur: Das muss ja gut sein, wenn’s das Kunsthaus gut findet. Dabei ist dieses hässliche Ding, das begehbar ist und Kinder mit einer Rutschbahn anzieht, eine Zumutung für jeden Kunstfreund, der noch einen Sinn für die Vielschichtigkeit einer künstlerischen Aussage hat. Hätte die Stadtgärtnerei so etwas für einen Kindergarten entworfen, würde man sagen, die haben keine Ahnung von Gestaltung.
Kunsthaus Zürich; Illustration: Miroslav Bartak
Als Niki de Saint Phalle in Stockholm ihre «Hon» ausstellte, die auch begehbar war, hatte die Skulptur, die zwar vom Publikum heftig diskutiert wurde, wenigstens eine interessante feministische Bedeutung. Ihr wüster «Zardoz» löst aber gar nichts aus, hat keine Bedeutung, ist einfach ein Zitat aus der Gartengestaltung des alten England, von diesen monsters in the garden. Nach diesem «Wurf» kann das Kunsthaus auch aufgeblasene Barbies, riesige Supermen, Schoggihasen von Lindt oder das Dekor eines amerikanischen Saloons als Zitat in den Garten stellen. Geradeso gut. Geradeso kitschig.
Die Kunst ist frei, ich habe nichts dagegen, dass Sie sich mit Monstern ausdrücken und sich auch so nennen. Aber die Kunstbetrachtung ist auch frei. Mich betrübt es, dass sich heute kein Kunstkritiker findet, der hinter Ihren Schabernack ein Fragezeichen setzt. Und kein Publikum, das den Mut hat, zu sagen, nein, so was von hässlich. Alle wollen sich kultiviert geben und fressen brav, was man ihnen vorsetzt. Man hat Angst, als Banause zu gelten.
Das einzige Kriterium ist heute der Preis, und da Ihre Kunst schon hochpreisig gehandelt wird, muss sie ja gut sein. Kein Gewinn für den Kunstfreund, maximaler Gewinn für die Künstlerin und ihre Galerien. Von Schönheit, von Ergriffenheit ist nicht mehr die Rede.
Mit freundlichen Grüssen
Peter Rothenbühler

