Weil er physisch eine so besondere Erscheinung war, erkannte kaum jemand die künstlerische Statur dieses Pianisten. Michel Petrucciani, am 6. Januar vor zehn Jahren im Alter von 37 Jahren gestorben, weckte Emotionen, die von ausserhalb seiner Kunst kamen. Er litt an der seltenen Osteogenesis imperfecta, der Glasknochenkrankheit. Sie hatte ihn zum Zwerg gemacht, der die Pedale des Steinway Concert Grand nur mit speziell entwickelten Prothesen erreichte. Zum Auftritt und Applaus wurde er meist getragen. Wenn er die Arme wie Flügel über der Tastatur ausspannte, kam uns Beaudelaires Albatros in den Sinn, diese Chiffre für den tragischen Künstler schlechthin («Der Dichter gleicht dem Fürst ...