Lob der Ambivalenz
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Lob der Ambivalenz

Lob der Ambivalenz

Die Völlerei der zurückliegenden Adventszeit inspiriert manche zum Masshalten im neuen Jahr. Der «Dry January», der Verzicht auf Alkohol während des ganzen Januars, hat sich für viele zum willkommenen Ritual etabliert. Man kann sich auf gesellschaftlichen Anlässen mit Rückgriff auf den Dry January alkoholfreien Getränken zuwenden, ohne sich dem Verdacht auszusetzen, allenfalls ein Problem zu haben. Das Masshalten, die Mässigung ist eine gute Sache. Aristoteles sah im mittleren Leben das beste Leben. Denn ein Zuviel führt immer in das Ungute: Zu Kitsch, zum Beliebigen, zum Infarkt. Der Philosoph Robert Pfaller schreibt, der gute Geschmack sollte sich selbst mässigen, um erträglich zu sein. Dies gelingt durch die Verdoppelung, man sollte auf eine elegante Weise elegant sein. Der Moralismus «als Zuviel des Guten» stellt übertriebene Forderungen und gibt sie als moralisch aus. In der Klickökonomie, die Fehltritte erbarmungslos sanktioniert, wäre ein Neuerlernen der Ambivalenz als Kulturtechnik der Weg der Mässigung.

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