Herr Vattimo, Sie bezeichnen sich als «Halbgläubigen». Was meinen Sie damit?Im Alter zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig war ich überzeugter Katholik. Dann habe ich begonnen, antimoderne und antichristliche Autoren zu lesen, vor allem Nietzsche und Heidegger. Mein Ziel als Philosoph bestand darin, eine Position zu finden, die zugleich modern und antirationalistisch sein sollte. Dabei stiess ich auf das Konzept der Postmoderne, dessen Grundgedanke darin besteht, dass die grossen metaphysischen Systeme nicht haltbar sind. Aber genau diese Systeme hatten die moderne Philosophie in den Atheismus geführt. Also fragte ich mich: Gibt es überhaupt noch philosophische Gründe für den Atheis ...