Nach der mutmasslichen Ermordung der Therapeutin Adeline Morel durch den Vergewaltiger Fabrice Anthamatten in Genf wird der lasche Umgang mit gefährlichen Straftätern in der Romandie kritisiert. So wurde gesagt, die Westschweiz sei gegenüber Zürich um zwei Jahrzehnte im Rückstand. Sie kennen beide Systeme – teilen Sie diese Auffassung?
Henriette Haas: Nein. Ein pauschales Urteil ist natürlich schwierig. In der Waadt zum Beispiel wurden schon professionelle Gefahrenanalysen mit umfassenden Tests gemacht, als man im Zürcher Burghölzli noch «Bauchgutachten» erstellte. Der Eindruck, die Deutschschweizer seien den Romands in diesem Bereich voraus, ist in dieser absoluten Form eine Ill ...