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Die Weltwoche

Mann der Stunde

Tamara Wernli

Mann der Stunde

Alle lieben Pedro Pascal. Alle? Nicht ganz – gefeiert wird er vor allem von links als Männerideal.

Der neue Inbegriff von Männlichkeit trägt Hoodie, spricht sanft, hat ein Faible für weibliche Fingernägel – und ist nett. «Alle lieben Pedro Pascal» (Spiegel), heisst es, «Nehmt euch Pedro Pascal lieber zum Vorbild» (Brigitte) oder «Wie Pedro Pascal zum Symbol moderner Männlichkeit wurde – der Schauspieler trotzt dem Machismo und setzt neue Standards für Latinx-Männer» (Men’s Health). «Latinx», ein genderneutraler Begriff aus den USA, in progressiven Redaktionen beliebt, bei vielen tatsächlichen Latinos eher nicht. Für eine Spiegel-Autorin mache Pascal «Hoffnung, dass es vielleicht doch eine gute Männlichkeit gibt».

ALLISON DINNER / KEYSTONE
epa12252422 Pedro Pascal arrives at Marvel Studios 'The Fantastic Four: First Steps' world premiere at the Dorothy Chandler Pavilion in Los Angeles, CA, USA, 21 July 2025
ALLISON DINNER / KEYSTONE

Wenn man den Autoren glauben darf, verhalten sich die meisten Männer heute falsch. Pascal macht alles richtig. Er ist emotional, sensibel, fragil, sanft. Der Fünfzigjährige spielte grossartig in «Game of Thrones» und «Narcos». Er ist aber nicht nur Schauspieler, er ist Twitter-Moralinstanz, Verbündeter. Er hat eine Schwester, die trans ist, und zeigt sich regelmässig solidarisch mit der LGBTQ-Community (nicht bekannt ist, zu welchem Geschlecht er sich hingezogen fühlt). In Interviews spricht er offen über Angstzustände. Als er einmal auf dem roten Teppich nervös wurde, suchte er die Hand von Kollegin Vanessa Kirby, die sie nahm und festhielt. In Posts lästert er über Trump-Sympathisanten, und als J. K. Rowling einem Gerichtsurteil zustimmte, das Männer und Frauen ausschliesslich anhand ihres biologischen Geschlechts definiert, schrieb er: «furchtbar, ekelhafte Scheisse», «abscheuliches Verlierer-Verhalten». An einer Pressekonferenz erklärt der Latino, dessen Eltern aus Chile geflüchtet sind, dass er sich für alle Menschen Schutz wünsche und: «Ich wünsche mir sehr, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen.» Er umschlingt sich dabei selbst mit den Armen, als müsste er sich festhalten, während er spricht.

Ich hoffe, er geniesst es, man weiss ja nie, wie lange so etwas dauert.

Pascal hat eine ganz eigene Art, mit seinen Co-Stars in der Öffentlichkeit umzugehen. Da wird einer Kollegin schon mal zärtlich über die nackte Schulter gestrichen, die Hand geküsst, in besonders innigen Momenten, wie mit Kirby, werden Nasenspitzen aneinandergerieben wie bei den Pinguinen. Auch schenkt er weiblichen Fingernägeln die ihnen gebührende Aufmerksamkeit – etliche Videos zeigen, wie er Interviewerinnen danach fragt und ihnen entzückt Komplimente macht. Alles in allem wirkt er wie einer zum Wohlfühlen – und wenn Frauen- (und Männer-)Herzen höherschlagen, kann ich es verstehen.

Ich habe auch nichts dagegen, wenn ein toller Schauspieler von den Medien gehypt wird (abseits der Mainstreammedien ist der Pedro-das-neue-Männerbild-Fanklub allerdings deutlich kleiner). Ich hoffe, er geniesst es, man weiss ja nie, wie lange so etwas dauert. Aber ein Symbol für eine neue Männlichkeit? Das ist er nicht. Eine ganze Generation Medienschaffender hat einfach entschieden, einen Mann zu feiern, der genau so denkt wie sie. Er vereint all das, was die Ideale des progressiven Kulturmilieus spiegeln, er ist die Projektionsfläche ihrer Wünsche und Ansprüche. Natürlich darf auch die subtile Botschaft nicht fehlen: Diese Version von Männlichkeit ist die einzig richtige. Und genau hier wird’s schwierig: Wenn gesellschaftspolitische Haltungen nicht einfach Haltungen bleiben, sondern zum moralischen Massstab werden, um alle anderen abzuwerten. «Wer nicht wie Pedro ist, verhält sich falsch» – das wäre im Umkehrschluss die Überzeugung der eingangs erwähnten Autoren.

 

Gefühle zu zeigen und seine Unsicherheiten zu verstehen, ist zweifellos etwas Positives. Und natürlich sollen Männer im Umgang mit ihren Kolleginnen unterstützend und freundlich sein; ebenso ist es legitim, vom traditionellen Männerbild abzuweichen. Nur ist es für meinen Geschmack weder besonders männlich noch kohärent, wenn ein Mann, der sich selbst als sensibel und emotional inszeniert, Frauen wie J. K. Rowling attackiert, wenn sie an der Tatsache festhalten, dass es zwei biologische Geschlechter gibt, und für unsere geschützten Räume eintreten. Wie sensibel ist ein Mann, der nicht einmal ansatzweise bereit zu sein scheint, die Perspektive von Frauen nachzuvollziehen? Wenn Fragilität und Sanftheit nur auf der eigenen Seite gelten, ist das eher kein neues Männerbild, sondern ein Widerspruch in sich.

 

Folgen Sie unserer Autorin bei Youtube@LadyTamara

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