Unter den bedeutenden Komponisten im frühen 20. Jahrhundert war Kurt Weill das perfekte Chamäleon. Mühelos löste er sich von der wuchernden Spätromantik der Busoni-Schule zum Brechtschen Song-Stil. Und kaum minder virtuos wechselte er von der aggressiven Sozialkritik der Weimarer Republik zum süffigen Fun der US-Szene. Das musste ihm sein Mitstreiter Bert Brecht als Preisgabe der linken Idee ankreiden. Für Weill war anderes wichtiger: die (nicht zuletzt musikalische) Nähe zum Volkshaften, zum Populären – zur Basis eben.
Was Kurt Weill im amerikanischen Exil unternahm (und was manche alte Freunde kaum verstehen mochten), erachtete er selber keineswegs als Verrat. Er wollte nicht de ...