Mehr als ein halbes Jahrhundert nach ihrem Erscheinen wurde Thomas Manns frühe Novelle «Der Tod in Venedig» auf verblüffende Weise virulent. Um 1970 arbeiteten zwei Grossmeister an ihrer eigenen Version: Luchino Visconti fürs Kino, Benjamin Britten fürs Opernhaus. Für Britten, der bei der Konzeption erst knapp über fünfzig zählte, war es dennoch ein Abschiedswerk. Er schob sogar eine fällige Herzoperation auf, um das Stück zu vollenden. In der Tat – für den englischen Komponisten bedeutete «Death in Venice» ein Fazit. Ein Schönheitsdurstiger beschwört noch einmal eine Welt, die im Sterben liegt. Hin- und hergerissen zwischen apollinischem Geist und dionysischer Ekstase – ...