Deutsche Bundeskanzler sind, so haben es die hungerschmalen Verfassungskonstrukteure 1948 gewollt, institutionell schwach: Sie werden nicht wie der französische Präsident vom Volk gewählt – die stärkste Legitimation. Weil die Deutschen damals von Volkstribunen das Näschen ziemlich voll hatten, muss sich der Bundeskanzler seither eine Mehrheit der Stimmen im Deutschen Bundestag zusammensuchen. Der wiederum wird von Listen-Abgeordneten beherrscht. Die Listen, deren Spitzen von oben nach unten in den Bundestag einrücken, werden von Parteifunktionären in fragwürdigen Hinterzimmerentscheidungen ausgejasst. Daher stehen achtzig Prozent der Abgeordneten schon vor der eigentlichen Wahl fes ...