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Die Weltwoche

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ESSAY

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Unser Autor, angehender Partner bei Rahn + Bodmer Co., der ältesten Privatbank der Schweiz, erklärt, welche Voraussetzungen stimmen müssen, damit die Schweiz weiter erfolgreich sein kann. Eine Schlüsselrolle kommt dem Franken zu.
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Am 7. Mai 1850 wurde der Schweizer Franken offiziell eingeführt und feiert damit 2025 sein 175-jähriges Jubiläum. Damit wurde ein Grundstein für den wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz gelegt. Für ein kleines Land ohne nennenswerte Rohstoffe war die Ausgangslage historisch schwierig. Dass die Schweiz heute zu den erfolgreichsten Nationen der Welt zählt, ist kein Zufall, sondern das Resultat konsequenter Politik, institutioneller Stabilität und einer Kultur, die auf Eigenverantwortung und Wettbewerb setzt. Sich auf Erfolgen auszuruhen, wäre jedoch trügerisch. In einer globalisierten multipolaren Welt, die zunehmend von geopolitischen Opportunismen geprägt ist, gilt es, die Erfolgsfaktoren zu bewahren und konsequent weiterzuentwickeln.

Basis der wirtschaftlichen Robustheit: Blick über den Urnersee in Richtung Grosser und Kleiner Mythen.

 

Grundlagen des Erfolgs

Die Basis der wirtschaftlichen Robustheit der Schweiz ist die Freiheit von Unternehmen und Individuen. Die 1973 in Washington gegründete Heritage Foundation erhebt jährlich anhand von zwölf Indikatoren den «Index of Economic Freedom» in 180 Ländern. Im Bericht 2025 rangiert die Schweiz unter den drei «freiesten» Volkswirtschaften weltweit. Ausschlaggebend sind dabei die Eigentumsrechte, die Regierungsintegrität (überwacht durch die direkte Demokratie), eine effiziente Verwaltung sowie ein sehr offenes Finanzsystem. Diese wirtschaftliche Freiheit gibt Unternehmen die Flexibilität, schnell auf Veränderungen reagieren zu können, um damit die Wettbewerbsfähigkeit hochzuhalten. Die institutionellen Rahmenbedingungen geben Unternehmen Sicherheit, um mehr Risiken eingehen zu können, ohne dass sie in einem dichten Netz von Regulierungen erstickt werden. Dies ist vergleichbar mit einem Bergsteiger, der auf einem sicher verankerten Seil klettert, wobei der Bergsteiger die Unternehmen und das Seil die institutionellen Rahmenbedingungen widerspiegeln.

Gute Rahmenbedingungen sind denn auch die Grundvoraussetzung für eine hohe Wettbewerbsfähigkeit. Im jährlich publizierten IMD World Competitiveness Ranking rangierte die Schweiz in den letzten fünf Jahren jeweils unter den besten drei Plätzen und schaffte es 2025 wieder auf den ersten Platz. Die IMD-Studie bewertet jeweils die Wettbewerbsfähigkeit von 69 Ländern und berücksichtigt nicht nur ökonomische Kennzahlen wie Produktivität, sondern auch Faktoren wie die politische Stabilität, Qualität der Infrastruktur, den Arbeitsmarkt und das Bildungs- und Gesundheitssystem. Das duale Bildungssystem ist dabei von grosser Bedeutung. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung der Arbeitsproduktivität. Trotz hoher Löhne gelingt es der Schweiz, durch flexible Arbeitsmärkte international konkurrenzfähig zu bleiben. Die Schweiz kennt keine Streikkultur, und die Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen spielt dabei eine wesentliche Rolle. Die Tatsache, dass auch kleinere Firmen im Land von diesem Umfeld profitieren, zeigt, dass Wettbewerbsfähigkeit kein elitäres Konzept für wenige Grosskonzerne ist, sondern Teil eines breiten ökonomischen Fundaments.

Das dritte Element und gleichzeitig das internationale Markenzeichen der Schweiz ist die Innovationskraft. Die World Intellectual Property Organization (Wipo) publiziert seit 2007 den Global Innovation Index (GII), der weltweit die Innovationskraft von Ländern misst. Der Bericht bewertet 140 Volkswirtschaften anhand von rund achtzig Indikatoren. Im Bericht vom September 2025 belegen die Schweiz, Schweden und die USA die ersten drei Ränge. Die Schweiz bleibt global führend, insbesondere aufgrund konstant hoher Innovationsleistung und Investitionen in Forschung und Entwicklung (F & E), starker Patentintensität, hohem Hightech-Anteil in der Industrie und dynamischer Wirtschaftsräume (zum Beispiel Zürich als Innovations-Hub für globale Technologieunternehmen). Die Schweizer Innovationskraft ist auch das Resultat einer engen Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Zentral in diesem Bereich sind unter anderem die technischen Hochschulen – allen voran die ETH Zürich und die EPFL in Lausanne. Die Innovationskraft ist für Volkswirtschaften von zentraler Bedeutung. Der diesjährige Global Innovation Index hielt aber auch eine Überraschung bereit. So schaffte es China erstmals in die Top 10 (Rang 10) und verdrängte dabei Deutschland auf Rang 11. Dies ist ein grosser Leistungsausweis und zeigt die Intensität des globalen Wettbewerbs und dass sich die Schweiz nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen darf.

 

Unterschätzer Schweizer Aktienmarkt

Die drei genannten Faktoren – Freiheit, Wettbewerbsfähigkeit und Innovation – bilden die Grundpfeiler des Schweizer Aktienmarktes. Obwohl die Schweiz flächenmässig weltweit nur Platz 135 einnimmt, rangiert sie beim Bruttoinlandprodukt pro Kopf unter den führenden Nationen. Dazu kommen ein herausragendes Finanzzentrum und ein starker Schweizer Franken. Diese Qualitäten machen den Schweizer Kapitalmarkt zu einem «sicheren Hafen».

Der Schweizer Aktienmarkt weist grundsätzlich eine defensive Struktur auf. Die Schwergewichte aus den Bereichen Gesundheitswesen und Basiskonsumgüter, ergänzt durch zahlreiche Qualitätsunternehmen, prägen den Markt. In unsicheren konjunkturellen Phasen liefern diese Titel Stabilität und Widerstandsfähigkeit. Gleichzeitig ergänzt die grosse Zahl an kleinen und mittelgrossen Firmen den Markt, um während zyklischeren Konjunkturphasen profitieren zu können. Für Anleger ergibt sich dadurch eine ausgewogene Mischung aus Stabilität und Dynamik, welche den breiten Schweizer Aktienmarkt attraktiv macht. Anlegerinnen und Anleger unterschätzen oft die Vielschichtigkeit des Schweizer Aktienmarktes. Dieser umfasst den Swiss Market Index (SMI) mit den zwanzig grössten Titeln, die regelmässig die meiste mediale Aufmerksamkeit erhalten. Der weniger bekannte Swiss Performance Index Extra (SPI Extra) umfasst die knapp 200 mittelgrossen und kleinen an der Börse kotierten Unternehmen der Schweiz und widerspiegelt die dynamische Ergänzung zum defensiven Kern der SMI-Titel.

Parallel zum Aktienmarkt ist der Schweizer Franken ein kritischer Wohlstandsfaktor für die Schweiz. Seit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems 1971 zeigt er eine langfristige Aufwertungstendenz gegenüber ausländischen Währungen. Kurzfristig schmerzt dies die Exportwirtschaft, langfristig stärkt es aber den Standort Schweiz. Der permanente Aufwertungsdruck zwingt Unternehmen, ihre Effizienz zu erhöhen, Innovationen zu forcieren und profitable Nischen zu besetzen. Auf der anderen Seite profitieren Unternehmen von günstigen Importen und niedrigen Finanzierungskosten. Zweifellos ist der Franken eine «harte Währung», was ihn international attraktiv macht. In Zeiten geopolitischer Unsicherheit verstärkt er die Rolle der Schweiz als sicherer Hafen. Ein starker Franken bedeutet auch stabile Kaufkraft im Inland, was wiederum Konsumenten und Investoren Vertrauen gibt.

 

Schlussfolgerungen

In einer multipolaren Welt, die von geopolitischer Unsicherheit, wirtschaftlichen Machtverschiebungen und zunehmender Instrumentalisierung der Kapitalmärkte geprägt ist, stechen Schweizer Anlagewerte als Wertaufbewahrungsmittel heraus. Die Schweiz ist ein Ort, wo Aktionärsschutz, Governance-Qualität und Rechtssicherheit weiterhin verlässlich funktionieren. Tragen wir diesen Errungenschaften Sorge.

Für Anlegerinnen und Anleger heisst das: Schweizer Vermögenswerte sind mehr als ein sicherer Hafen auf Zeit. Sie sind wie ein gutausgebauter Hochgebirgspfad – anspruchsvoll, aber mit verlässlicher Orientierung, festen Griffpunkten und soliden Sicherungen, die auch in stürmischen Zeiten den Aufstieg ermöglichen. Wer die Schweiz als Anlageregion betrachtet, erkennt, dass es nicht um schnelle Effekte oder kurzfristige Trends geht, sondern um ein langfristig verlässliches Fundament, um Werte zu vermehren.

 

Simon Rahn ist angehender Partner bei der Zürcher Privatbank Rahn + Bodmer Co.

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