Zu den wichtigsten Themen der Uno-Klimakonferenz COP30, die im November im brasilianischen Belém über die Bühne gegangen ist, zählte der fortschreitende Verlust an Waldflächen und Naturressourcen. Laut jüngstem Wald-Bericht der Uno-Landwirtschaftsorganisation FAO bedecken die weltweit noch gut 4,14 Milliarden registrierten Hektar Wald rund 32 Prozent der gesamten Landfläche der Erde. Die Hälfte der Wälder konzentriert sich auf die fünf Länder Russland, Brasilien, Kanada, USA und China, grosse Teile liegen in den Tropen. Die Schwundrate habe sich laut den Angaben in jüngerer Zeit zwar verringert, aber es verschwänden immer noch jedes Jahr netto gut vier Millionen Hektar Wald. Rund neunzig Länder machten nun im Rahmen der Uno-Klimapolitik Zusagen, in den nächsten Jahrzehnten bis zu 190 Millionen Hektar degradierten Waldes wiederherzustellen. An der COP30 wurde ein neuer Fonds gegen Entwaldung und für Aufforstung von Urwäldern in Aussicht gestellt.
«Solche Bemühungen deuten in die Richtung, in der wir auch mit unserem Unternehmen gehen, zurzeit verlieren wir ja pro Minute rund sieben Hektar Ur- und Regenwald», sagt der Unternehmer Jörg Schäfer. «Wir finanzieren und betreiben in Paraguay Aufforstung – aber wir tun das aus privaten, eigenständigen Geschäftsüberlegungen heraus und nicht umweltpolitisch subventioniert oder aus Wohltätigkeitsgründen.» Schäfer hat 21 Jahre als klassischer Investmentspezialist gearbeitet, sich vor Jahren neu orientiert und sich zum Ziel gesetzt, mit seinem Unternehmen das Kapital von Anlegern direkt dorthin zu lenken, wo es seiner Ansicht nach den grössten Nutzen stiftet: «In Projekte, die unsere Umwelt schützen, Bäume wachsen lassen, CO2 binden, Böden verbessern, Menschen Arbeit geben.»
Jahrzehntelang sei Lateinamerika Heimat der grössten zusammenhängenden Waldflächen gewesen, als Folge der Abholzungen jetzt aber hinter Russland zurückgefallen. Paraguay habe durch Raubbau im Laufe der Zeit 90 Prozent seiner Ur- und Regenwaldflächen verloren, hauptsächlich für Sojaanbau und für Rinderzucht, daneben aber auch für die Verfeuerung. Das sei jetzt das Land, in dem er sich engagiere – zumal Paraguay von der Ratingagentur Moody’s 2024 auf Investmentqualität hochgestuft worden sei, investitionsmässig sowie steuerlich attraktiv und politisch solid dastehe und über eine üppig-sichere Energieversorgung aus Wasserkraft verfüge.
Bäume und Blockchain
Schäfer hat mit seiner Firma Treecycle AG, eine Tochter der Global Tree Project AG, das Investitionsmodell «Treecycle of Life» auf den Weg gebracht, das auf einer langfristigen Aufforstungsstrategie beruht. Im Rahmen dieses Projekts werden in Paraguay degenerierte, einst mit Urwald bedeckte Flächen erworben und wieder aufgeforstet. Mit dem so gewonnenen und verkauften Holz wird eine Rendite für die Investoren generiert.
In Schäfers Worten: «Anleger jeder Einkommensklasse sollen auf diese Weise Zugang haben zu echten, greifbaren Werten.» Das Anlagemodell beruht auf der Verbindung von Vermögenswerten und Blockchain-Technologie, auf Investitionen in sogenannte Real World Asset (RWA), wie er es in der Finanzsprache ausdrückt. Die Anteile der Investoren mit dem Recht auf die Beteiligung an den Nettogewinnen werden dabei als Token («1 Tree») beziehungsweise «Real World Asset» auf der Blockchain abgebildet. Die Blockchain wurde gewählt, um einerseits unabhängig von Kreditinstituten zu sein und andererseits dem Projekt die nötige Sicherheit vor äusseren Angriffen zu gewährleisten.
Schäfer präzisiert: Es sei mehr als ein Finanzmodell, es sei ein Paradigmenwechsel, denn diese RWA seien nicht durch Hoffnung getragene Wertpapiere, sondern durch real gepflanzte Bäume rückgedeckte «Wert»-Papiere, die damit ihren Namen zu Recht tragen und damit einen Mehrwert schaffen – wie man dies ja bildlich treffend auch so ausdrücken könne: Die Bäume wachsen und bringen jährlichen Wertzuwachs. 2018 habe man mit den Konzeptarbeiten begonnen und 2022 den ersten Zyklus gestartet. Man ist damit nicht allein.
«Apple macht genau das Gleiche wie wir, auch IT-Riesen wie Amazon, Google und andere, diese Unternehmen haben jetzt gemeinsam eine grosse Baumforstallianz lanciert», legt Schäfer im Gespräch am Firmensitz in Hünenberg dar. «Die forsten jetzt grossflächig Wald auf, nach dem gleichen Modell wie wir, das heisst, sie forsten ebenfalls nicht Urwald auf, sondern nehmen degenerierte Flächen, weil man keinen Urwald aufforsten kann.»
Pionierpflanze Eukalyptus
Wäre denn das Aufforsten von Urwald nicht das bessere Ziel? Schäfer: «Ein Urwald ist komplex aufgebaut, mit unteren Schichten, mittleren Ebenen und den hohen Bäumen – den kann man nicht einfach so erstellen.» Bei den erworbenen Flächen seien kleinere Teile Urwald dabei, diese schütze man vollständig, mittlerweile 116 Hektar, da werde kein Baum entfernt. Aber im Wesentlichen nehme man für das Aufforsten Flächen, die degeneriert seien, leer, ausgelaugt, übersäuert, nährstoffarm, generell vernachlässigt. «Wir bereiten den Boden auf, lockern ihn, bringen Kalk rein, Mineraldünger, Phosphor, wandeln ihn mit der Zeit von sauer auf neutral bis basisch. Und in dieser Konstellation brauchen wir eine Pionierpflanze, die optimal wächst.»
Welche? «Wir konzentrieren uns auf Eukalyptus, diese Bäume wachsen sehr schnell, fünf bis sieben Meter pro Jahr, so dass rasch eine erhebliche Substanz entsteht. Und sie liefern hartes Holz.» Über tausend verschiedene Sorten gebe es davon, von ganz hellen bis ganz dunklen, von leichten bis schweren. Bei Treecycle kämen Sorten zum Zug, die so gut wie kein Öl enthielten, auch zum Verringern der Brandgefahr und wegen der Bodenverträglichkeit. Mit diesem Spektrum decke man 80 Prozent des Bedarfs ab, der für Wertholz wie Parkett, Möbel, Baukonstruktionen oder je nachdem auch Heizzwecke und Zellulose im Land bestehe. Zudem passe die hohe Wasserverfügbarkeit in Paraguay gut zu den Ansprüchen von Eukalyptus.
Schäfer erklärt sein Zyklusmodell: Am Anfang sei die leere Landparzelle, da würden tausend junge Pflanzen pro Hektar gesetzt. «Diese wachsen, und nach bestimmten Zeitperioden kann man immer wieder Zwischenernten entnehmen.» Wie geht das konkret? Nach den ersten fünf Jahren nehme man eine erste Ausdünnung vor durch Entnahme von 500 Pflanzen. So blieben nur noch 500 Bäume auf der Fläche, während das entnommene Holz einen ersten Ertrag ergebe, als Pfosten, Schnitzel oder was auch immer. Alle vier bis fünf Jahre gebe es weitere Ausdünnungen samt Verwertung des entnommenen Holzes – bis zuletzt nach elf oder zwölf Jahren die Haupternte der grossen Bäume anstehe, die weitgehend zur Verwendung als Wertholz verkauft würden.
Gewinnverteilung
«Damit schliesst sich der Treecycle, die Fläche ist wieder frei für einen weiteren Zyklus», meint Schäfer: also wieder tausend neue Setzlinge auf jedem Hektar für die nächste Runde. Mit jeder Aufforstungsrunde entstehe ein Gewinn, den man in drei Tranchen wie folgt aufteile: Insgesamt 90 Prozent aller Gewinne gingen an die Treecycle-Investoren, dabei würden 40 Prozent direkt an die Anteilseigner ausgeschüttet. Mit 50 Prozent des Gewinns kaufe das Unternehmen sodann neue Flächen zum Aufforsten für die Investoren. Die dritte Tranche der Erträge, also die verbleibenden 10 Prozent, werde eingesetzt für Urwaldschutz, Renaturierung und soziale Projekte. «Dazu gehört etwa, dass wir unsere Urwaldteile immer wieder um die vorher durch illegale Abholzung geplünderten Nativas ergänzen.»
Da in den Eukalyptusplantagen die bei Zyklusende abgeholzten Flächen wieder aufgeforstet würden, entstünden, so Schäfer, aus einer Fläche von tausend Hektar mit 1 Million Bäumen über einen Zeitraum von gut zwanzig Jahren die Wirkung von rund 4000 Hektar mit 4 Millionen Bäumen, und mit jedem neuen Zyklus werde die Anlage für Investoren werthaltiger. «Kurz gesagt: Bäume wachsen, Rendite entsteht, CO2 wird gebunden. Ohne Bank, ohne Börse, ohne Spekulation.» Alle Bäume gehören nach dem Genossenschaftsprinzip anteilsmässig allen Investoren, die Bilanzwerte werden durch den Wirtschaftsprüfer Grant Thornton festgestellt und testiert, die Berichterstattung der Treecycle AG erfolgt nach IFRS-Rechnungslegung.
Im Geschäftsbericht 2024 wird ein Gesamtwert für Plantagen und Land von 12,5 Millionen Franken ausgewiesen und das gesamte Zeichnungsvolumen der Anleger stellte sich auf 19,5 Millionen Franken. Die Eigenkapitalquote per Ende 2024 betrug 72,8 Prozent, der Reingewinn lag bei 2,3 Millionen Franken. Laut Unternehmensangaben dürfte 2025 der innere Wert nun erstmals über den Emissionspreis des TREE-Tokens (21 Franken) steigen. Dahinter stehen unter anderem die Aufstockung der Landfläche auf 1281 Hektar im 2024 (gegenüber 239 Hektar 2023) und die Zunahme der Urwaldflächen stieg von 16 auf 116 Hektar. In diesem Jahr 2025 wurden bereits weitere 800 Hektar aufgeforstet und mit dem Neukauf weiterer Flächen wird im nächsten Geschäftsbericht 2025 voraussichtlich ein Bilanzwert von 25 Millionen Franken ausgewiesen. Jüngst wurde die Struktur des TREE-Wertpapiers einer Überprüfung unterzogen, der neue Prospekt soll die Transparenz verbessern und man hat ein zusätzliches Kündigungs- und Rückgaberecht eingebaut, falls das Wertpapier nicht an der Börse handelbar wird.
Schäfer investierte auch in den öffentlichen Auftritt. Eine aufsehenerregende Aktion lancierte man 2022 mit der Idee, das Treecycle-Projekt ins «Guinness-Buch der Rekorde» zu bringen. Mit Hilfe von GPS und Laservermessung wurden der Schriftzug «TREECYCLE» und das dazugehörige Logo mit Eukalyptusbäumen ins Gelände gepflanzt. Dieses Naturlogo zeigt 28 Blätter und die symbolisierte Figur eines Menschen, insgesamt über einen Kilometer breit, 600 Meter tief und flächenmässig über vierzig Hektar messend. Am 6. November 2023 wurde die offizielle Urkunde ausgestellt, die den Guinness-Rekord des grössten Firmenlogos der Welt von über 404 000 Quadratmetern offiziell bestätigte. Es ist auf Google Earth leicht zu entdecken.
Mit Blick in die weitere Zukunft ist es Schäfers Ziel, auf 10 000 Hektar zehn Millionen Bäume zu kultivieren. Der Holzbedarf steige weltweit weiter, erstens wegen der Zunahme der Weltbevölkerung und zweitens, weil laufend neue Anwendungen hinzukämen. «Das Plastikexperiment ist ja krachend gescheitert, die Versuche der Industrie, alles auf Plastik umzustellen, hat zu riesigen Abfall- und Rückstandsproblemen geführt.» Also Holz als Alternative. Schäfer sagt, Unternehmen, die statt auf den CO2-Zertifikatekauf auf Aufforstung setzten, begäben sich auf einen viel Intelligenteren Weg der Wertsteigerung, und er doppelt nach mit der kurzen Frage: «Wissen Sie, wer der grösste Aufforster der Welt ist? China.» Holz sei das neue Gold – Reichtum in Form von Wald, wie das schon vor Jahrhunderten Dynastien wie die Wittelsbacher oder Thurn und Taxis erkannt hätten. «Abschliessend und zusammenfassend sei gesagt: Jeder gepflanzte Baum auf einer Plantage rettet einen Baum im Urwald vor der Abholzung.»
Zum Portal: https://treecycle.ch/weltwoche/

