«Zeig mir denjenigen, den seine Leidenschaft nicht zum Sklaven macht», spricht Hamlet in Shakespeares gleichnamigem Theaterstück (erschienen ca. 1599). Hamlet, Romeo und Julia, der junge Werther, Tristan und Isolde, Orpheus und Eurydike, Madame Bovary – die Literatur lebt von Figuren der Leidenschaft und tragischen Liebe. Wie viel Leidenschaft durchdringt die Gegenwart? Ist sie hier bloss Peinlichkeit, ein wie ein billiges Kerzendinner umgesetzter Literaturkitsch oder reale, wichtige Empfindung? Leidenschaft, leidenschaftliche Liebe, existiere natürlich, sagt die Soziologin Eva ÂIllouz, sie sei aber ein aussterbendes Gefühl. Obwohl sie meist mit Vernunftlosigkeit gleichgesetzt und ge ...