Ohne Drehbuch ist Meryl Streep ein absurd schüchterner Auftritt. Bei Dankesreden für irgendwelche Auszeichnungen hetzt sie so nervös durch ihre vorbereiteten Sätze, als wolle sie nur möglichst wieder von der Bühne. Zuletzt bei der Verleihung der Golden Globes vor zwei Wochen, wo sie für ihre verschiedenen Rollen in der Aids-Chronik «Angels of America» geehrt wurde und den einzigen aufregenden Satz des Abends von sich gab. «Was ich noch sagen wollte», wisperte sie schon halb im Abgehen, «ich glaube nicht, dass die zwei grössten Probleme Amerikas zu viele Leute sind, die zusammenleben wollen, bis dass der Tod sie scheidet, und Steroide und Sport.» Dazu schüttelte sie so energisc ...