Ode an das Klubhaus
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Ode an das Klubhaus

Ode an das Klubhaus

Was wäre Golf ohne das 19. Loch!

Man betritt ein Klubhaus in der Regel zwei Mal. Einmal vor der Runde und einmal danach. Dazwischen liegen die Welt der achtzehn Löcher und ein Ozean der Gefühlswelten, und man ist stets ein anderer, wenn man das Klubhaus zum zweiten Mal betritt.

Credit: Pictures Now / Alamy Stock Photo
Äusserst demokratische Angelegenheit: Klubhaus-Szene.
Credit: Pictures Now / Alamy Stock Photo

Wenn man an der Bar des Klubhauses sitzt, vielleicht auf die Ahnengalerie der Klubmeister blickt und dann die Golfer und Golferinnen beobachtet, die gerade von ihrer Runde kommen, weiss man sofort, was auf dem Platz passiert ist: ein kleines Wunder, ein Wie-Immer oder achtzehn kleine Weltuntergänge. Das Klubhaus, so sagt man, ist das 19. Loch. Arnold Palmer sagte: «Man kann keine gute Golfrunde spielen, ohne auf dem 19. Loch zu landen.»

 

Keine Statusunterschiede

Was all die Klubhäuser der Welt verbindet und über die Unterschiede an Eleganz und Exklusivität hinweghebt, ist, dass sie gleichzeitig Therapiezentren und Glücksorte sind. Nie war ich selbst auf glücklichere Art depressiv oder auf eine innerere Art fröhlich als in Klubhäusern. Manchmal wollte ich dort die Welt sprengen, manchmal sie umarmen.

Was ein Klubhaus viel müheloser schafft als jeder Psychologe, ist, dass man nach ein paar Drinks, einer Zigarre oder einer Handvoll Zigaretten, was immer auch geschehen ist, mit sich im Reinen ist. Nicht nur ein bisschen, sondern profund, wenn man so sagen möchte.

Es nivelliert einen selbst und ebenfalls die Statusunterschiede zwischen den Golfern. Das macht es zu einer äussert demokratischen Angelegenheit. Es gibt im Klubhaus nur Golfer und Golferinnen. Keine Schauspieler, Wirtschaftsmagnaten, Hedgefondsmanager, Ärzte, Schönheitsköniginnen, Anwälte, Erben und so weiter mehr. Der Statusunterschied liegt lediglich in den Äusserlichkeiten, in der Klasse der Zigarre, der Grösse der Diamanten am Finger, den georderten Getränken oder den Uhren an den Handgelenken.

Natürlich sind sie auch der Hort von Traditionen und Kultur. Der Ort, an dem Bekanntschaften entstehen, aus denen vielleicht Freundschaften werden. Strenggenommen ist es mehr als bloss ein Ort oder eine Location. Es ist ein Topos, eine Heimat der mal heiteren, mal angespannten Ruhe, wenn man so möchte. Eine ureigene Komfortzone, in die die Welt mit ihrem Getöse und ihrer Raserei kaum Einlass findet.

Es gibt, leider, Klubhäuser ohne Atmosphäre und ohne Seele, aber es gibt unter all jenen, die Atmosphäre haben, kaum eines, das eine schlechte hat. Stets sind sie wie Inseln, und der Weg zu ihnen führt über eine Reise von achtzehn Löchern, die jeder und jede hinter sich gebracht hat. Dies wiederum sorgt dafür, dass der Gesprächsstoff nicht nur gegeben ist, sondern auch wie unendlich scheint.

Natürlich kann man Golf auch ohne Klubhaus spielen, aber das wäre in etwa wie alkoholfreier Champagner oder in Südeuropa Elektroauto fahren. Kann man machen, wenn es sein muss, macht aber keinen Spass. Es gibt diesen Satz, der die Bedeutung des Klubhauses kongenial beschreibt: «Der Ball fliegt nicht nur durch die Luft, sondern auch durch deinen Geist.» Und meist tut er das vor dem Spiel im Klubhaus, wenn man sich das eine oder andere Loch vor dem geistigen Auge visualisiert. Und vor allem geschieht es danach, beim Erzählen.

 

«Tee des Schweigens»

Ein auf den ersten Blick seltsam anmutendes Ritual praktiziert das europäische Ryder-Cup-Team in Klubhäusern. Oder praktizierte es zumindest. Tony Jacklin, Kapitän des Teams von 1983 bis 1989, führte es 1985 ein, er nannte es «Tee des Schweigens». Vor dem Spiel sassen die Spieler zusammen im Klubhaus und schwiegen, kein Wort fiel, nur hier und da ein Räuspern. Es war die Vorbereitung auf den ersten Abschlag, dem andern «Tee des Schweigens», diese Stille am ersten Abschlag, wenn man sein Herz schlagen hören kann. Der erste Abschlag ist immer der schlimmste der Welt. Lee Westwood sagte, kurz bevor er an der Reihe war: «Ist es normal, dass ich mein Frühstück wieder hochkommen spüre?»

Was alle Klubhäuser verbindet, ist, dass sie Therapiezentren und Glücksorte zugleich sind.

Die Profis spielen während der Turniere in den Klubhäusern psychologische Spielchen. Geben sich cool, unnahbar, unbeeindruckt, um bei ihren Gegnern ein Gefühl der Unbesiegbarkeit zu hinterlassen. Wir Amateure müssen das nicht tun, wir sind verbunden in unserer Mittelmässigkeit. Es gibt einen Satz dazu, ein namenloses Zitat ist es: «Das wahre Spiel findet im Kopf und im Herzen statt – und das Klubhaus ist das Zentrum dieser Macht.»

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