Alfred Brendel, unter den klassischen Konzertpianisten der Meister des erlittenen Einfachen, pflegte beim Üben auf seine Pianos Spiegel zu stellen, um sich die Grimassen abzugewöhnen. Keith Jarrett denkt nicht daran, sich «pianistically correct» aufzuführen. Er stöhnt und windet sich und wühlt sich in die Tastatur, und gelegentlich erhebt er sich vom Stuhl, spielt im Stehen weiter und beginnt ein eigenes kleines Tanzritual. Wenn Jarrett improvisiert, wird gespielt, und zwar piano-forte. Gerade noch hörbar schwebende Romantizismen münden in lang gezogene, intensive Melodielinien, er ballt Akkorde wie kantige Gesteinsbrocken oder verfällt aus dunstigen Klangflächen in ein rockendes ...