Passen Golf und Alkohol zusammen?
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

Passen Golf und Alkohol zusammen?

Christoph Keller

Passen Golf und Alkohol zusammen?

Als früherer Schnapsbrenner gewann unser Kolumnist mehrmals die Auszeichnung der «Spirituose des Jahres». Als Golfer hat er ein tiefes Handicap 10.

Seien wir ehrlich: Golf ist nicht nur Sport, sondern vor allem auch ein Spiel. Natürlich das ehrwürdigste und komplexeste Spiel, das wir uns vorstellen können. Für die meisten von uns ein ständiges Nebeneinander von höchstem Genuss und fürchterlichster Qual – je nach Ballflug. Und in beiden Gefühlslagen, sowohl im Höhenflug wie auch in der Qual, hilft natürlich Alkohol.

Passen Golf und Alkohol zusammen?

Natürlich will ich niemanden in den Alkoholismus treiben. Und es geht mir nicht ums Trinken. Es geht um die sinnliche Erfahrung und um den Genuss, den wir selbst nach einem Fehlschlag immer noch erleben. Dieses Erlebnis will gelernt sein. Wer bei 30 Grad in Südeuropa auf dem Fairway steht und Whisky aus dem Flachmann schlabbert, dem sollte unverzüglich die Platzreife entzogen werden. Der gehört hier ebenso wenig hin wie ein Margarita-Cocktail in eine Klubhaus-Bar im schottischen Hochland. Jeder Platz, jedes Klima, jede Jahreszeit, jede Region und Kultur bedingen die passende Spirituose.

Beginnen wir auf der positiven Seite des Golfspiels. Den Sweetspot mit einem knackigen Geräusch getroffen, ein hoher Ballflug mit einem leichten Draw in Richtung Fahne, das satte Plopp auf dem Grün, der Spin greift, und der Ball liegt zum Birdie-Putt in Position. Emotional unbezahlbar. Selten. Wunderschön. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Der ambitionierte Golfer bleibt in dieser Situation ganz cool, kein Lächeln huscht über das Gesicht. Wir tun jetzt gern so, als wäre dieser Schlag die normalste Sache der Welt.

Und genau dies ist der Fehler. Feste gehören gefeiert. Es gibt nichts Schöneres, als ein gut gespieltes Loch mit einem kleinen Schluck aus dem Flachmann mit den Flight-Partnern zu feiern. Das Birdie-Wasser darf gerne auch mal ein Par-Wasser sein, denn das Ritual verstärkt das Gefühl, etwas Positives erlebt zu haben – und verstärkt den Genuss angesichts dieses Erlebens!

Der Philosoph Peter Sloterdijk hat einmal darüber nachgedacht, was den Menschen vom Tier unterscheidet. Es ist vor allem die Fähigkeit, Objekte über eine Distanz hinweg zu bewegen, das Werfen, Schleudern oder Schiessen. Das ist die biologisch-evolutionäre Ausnahmestellung des Menschen. Deshalb ist das Gefühl einer abgefeuerten Gewehrkugel, die in 400 Metern Entfernung im Ziel einschlägt, der Weitschuss aus dem Mittelfeld, der genau im Torwinkel platziert ist, oder eben auch ein gerader Abschlag mit dem Driver, der das Fairway teilt, für den Menschen so erhebend – und ja, tatsächlich erhaben, sublim. Der ästhetische Flug des Balls berührt uns tief im Innersten.

Umso schlimmer, wenn der Ball einmal nicht so fliegt, wie antizipiert. Der Shank ins Aus, der Hook ins Wasser, der getoppte Pitch. Die schlimmste Demütigung für die Golferseele – nicht weil der Score damit ruiniert ist, sondern weil wir die eigentliche Bestimmung dieses Golfballs und unsere originäre Bestimmung als Mensch nicht erfüllen konnten. Das Versagen angesichts einer schlampig ausgeführten Bewegung und des daraus resultierenden, regelrecht hässlichen Effekts für die Fortbewegung des Objekts zwingt uns in die Knie.

Jeder Golfer kennt diesen Moment. Ich empfehle eine besondere Technik, nämlich diesen Moment des gefühlten Versagens durch einen Moment des sinnlichen Genusses zu ersetzen. Auch hier hilft unser Flachmann. Warum sollte denn ein kleiner Schluck vom Glück nur als Belohnung eingesetzt werden? Warum nicht auch als Muntermacher – und vor allem Mutmacher?

Haben wir uns entschieden, ob wir unsere Seele mit Gin, Aquavit, Obstbrand, Rum, Single Malt oder Absinth einbalsamieren wollen, dann sollten wir auf die entsprechende Qualität achten. Wer Tausende von Euro für den korrekten Schlägersatz für angemessen hält, der sollte auch bei der Wahl des flüssigen Begleiters nicht sparen und daher Industriespirituosen meiden. Die Destillation eines guten spirits ist so kompliziert wie der Golfschwung. Vergärungstechnologie, Hefen, Enzyme, Kontrolle des Gärverlaufs, Mazeration, Destillationstechnik, Reifung und Vermählung wollen gelernt sein. Lasst uns daher in gute Tröpfchen investieren, die ein wirkliches Erkennen von Perfektion zum Genuss machen.

Und schliesslich: die Hardware. Der gute Tropfen gehört in ein angemessenes Gefäss. Beim Golfen bietet sich der Flachmann an. Traditionelle Flachmänner gibt es aus Glas, Zinn oder Silber, wobei Letzterer natürlich dem golferischen Finanzadel vorbehalten bleibt.

Weil ich es gerne nostalgisch mag, bin ich ein grosser Freund der englischen Zinnflachmänner, die seit der industriellen Revolution in der Gegend von Sheffield hergestellt werden. Zinn hat, im Gegensatz zu Silber, nur wenig Eigengeschmack, ist robust und bezahlbar.

Christoph Keller ist ein deutscher Verleger. Er betrieb gemeinsam mit seiner Frau bis Ende 2018 die Brennerei Stählemühle in Baden-Württemberg.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.