Ein Schriftsteller, heisst es in Raymond Chandlers Roman «The Long Goodbye», ist dann am Ende, wenn er bei sich selbst abzuschreiben beginnt. Das ist nicht Keith Jarretts Problem. Ist schon die Liste seiner veröffentlichten Tonträger überwältigend, so wird sie durch den Teil des Werks noch übertroffen, der in den Archiven auf seine Auferstehung wartet. Dabei fallen qualitative Kriterien kaum ins Gewicht. Zumal Jarretts improvisierten Solokonzerte sind Dokumente der permanenten Selbstfindung oder Selbsterfindung, bei welcher das Resultat weniger zählt als der Fluss der Energie und dessen Stockungen, Wirbel oder Brechungen. Durststrecken sind dabei sel ...