An seinem Stammplatz stand, erstaunlich genug für einen Trinker, ein Glas Milch. Der Arzt hatte ihm nach Anfällen von Blindheit den Alkoholgenuss verboten, doch seine Schriftstellerkollegen konnten nicht glauben, dass sich Joseph Roth an die ärztliche Weisung hielt. Als einer das Glas inspizierte, stellte sich heraus, dass die Milch voller Pernod war.
So sind auch Roths Romane und Feuilletons: einfach und bekömmlich, doch plötzlich merkt man, wie viel Hochprozentiges Roth untermischt. Anders als mit Pernod verrührte Milch ist dieser Autor allerdings nie ungeniessbar. Selbst seine geschichtsflüchtigen, mal erzkatholischen, mal erzjüdischen, mal schlicht erzreaktionären Mystifikation ...