Vor ein paar Wochen noch war die Kampfzone um einiges übersichtlicher: Solange sich der Missbrauch an jungen Menschen hinter Klostermauern abspielte und die Szenerie von Weihrauch durchtränkt war, richtete sich die Empörung geschlossen gegen die katholische Kirche. Unmittelbare Auslöser waren Vorwürfe gegenüber Jesuitenpatres, die sich am Berliner Canisius-Kolleg an mehreren Dutzend Zöglingen vergangen hatten. Weitere Fälle in ganz Deutschland wurden publik, in Pfarrgemeinden, Internaten, Schulen.
Eine Erklärung für die Untaten war schnell zur Hand: Der Zölibat – Eheverbot und Keuschheitsgelübde – führe zwangsläufig zum brutal aufbrechenden Triebstau im Klerus. Es stehe a ...