Berlin
Weltwoche: Herr Lafontaine, bevor Sie 2005 zur Partei Die Linke wechselten, politisierten Sie fast vierzig Jahre lang für die aktuell regierende SPD, kandidierten als Kanzler und führten die Geschicke als Parteivorsitzender. Wie gut geht es Deutschland heute? Wie lautet Ihre Standortbestimmung?
Oskar Lafontaine: Mich bedrückt die soziale Ungerechtigkeit, dass die Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen zunimmt. Nicht einverstanden bin ich auch mit dem Management der Corona-Krise: Die Bundesregierung hat es von Anfang an versäumt, die Massnahmen auf solide Zahlen, auf eine Kohorten-Studie zu stützen. Deutschland wurde mehr nach den Ratschlägen ausgewählter Vir ...