Ralph Giordano (1923–2014) — Die Reihen lichten sich, die Einschläge kommen näher. Vorletzten Mittwoch ist in Köln im Alter von 91 Jahren Ralph Giordano gestorben – an den Folgen eines Oberschenkelhalsbruchs. Er war nach Arno Lustiger und Marcel Reich-Ranicki der Letzte seiner Art: ein hochgebildeter Autodidakt, ein Berserker, dessen Waffe das Wort war, ein Jude, der es auf sich genommen hatte, den Deutschen bei der Bewältigung ihrer Vergangenheit zu helfen. Für die einen ein Nestbeschmutzer, für die anderen ein «Mahner und Warner», das «Gewissen der Nation», die es ihm hoch anrechneten, dass er trotz allem in Deutschland geblieben war. Giordano fühlte sich als moralisc ...