In der Alltagskultur gibt es genug Bereiche, da herrscht ein Jugendkult. Das Gegenteil beim Wein. Da hält sich (jeder Auktionator kann ein Lied davon singen, wenn er als Experte einer Witwe beibringen muss, die Sechziger-Jahre-Beaujolais im Keller ihres Verstorbenen seien diesem leider längst vorausgegangen) die Meinung zäh: je älter, je besser. Je staubiger die Flasche, je älter der Wein, je älter die Reben. Und so weiter: je älter die Rebsorten. «Autochthon» ist ja auch so ein raunendes Zauberwort, das, wenn nicht das Paradies, so doch mindestens Mesopotamien und Noah beschwört. Dabei ist kein Primitivo oder Greco, kein Räuschling mehr, was er nur schon vor hundert Jahren mal wa ...