Rette sich, wer kann
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

Rette sich, wer kann

Überlebensstrategien

Rette sich, wer kann

Als Usain Bolt am 16. August 2009 in Berlin über 100 Meter mit 9,58 Sekunden den immer noch gültigen Weltrekord aufstellte, tat er dies aus Freude am Wettbewerb – und wohl auch dem Preisgeld zuliebe. Das Leben des Jamaikaners hing aber nicht von seiner Höchstleistung ab.

 VOLODYMYR BURDIAK
Möglichst schnell fressen: Gepard.
VOLODYMYR BURDIAK

Ganz anders im Tierreich. Wenn sich der Wanderfalke mit über 200 km/h vom Himmel stürzt oder der Gepard mit 120 km/h über die Steppe sprintet, ist solche Rasanz überlebenswichtige Jagdstrategie. Denn im Laufe der Evolution haben auch Krähen und Gazellen gelernt, durch immer schnellere Flucht dem Jäger zu entkommen.

 

Jäger und Gejagter

Wie eng der animalische Wettlauf zwischen Fressen und Gefressenwerden ist, zeigt das Beispiel Gepard und Gazelle. Zwar beschleunigt die Raubkatze vom Stand in zwei Sekunden auf 70 km/h, wobei sie für den Spurt, ähnlich dem Hasen, die Hinterbeine weit vor die Vorderläufe setzt. Die äusserst biegsame Wirbelsäule unterstützt die Laufbewegung wie eine gespannte Feder; der lange Schwanz dient als stabilisierendes Seitenruder. Dank weit gespreizten Pfoten kann der Gepard effizient am Boden abstossen, und lange Krallen greifen wie Spikes.

Nach maximal 400 Metern ist der Sprinter aber hoffnungslos am Limit und muss die Jagd abbrechen. Deshalb kann der Gepard nur reüssieren, wenn er sich mindestens auf fünfzig Meter an die Gazelle heranschleichen kann. Lanciert der Jäger dann den Angriff, ist er auch nur in 40 Prozent der Fälle erfolgreich.

Selbst wenn die Beute tot am Boden liegt, ist der Lohn noch keineswegs garantiert. Denn sind in der Nähe Löwen oder Hyänen, vertreiben sie den schwächeren Gepard von seiner Beute. So muss der Gepard möglichst schnell fressen – was aber nicht sofort möglich ist, denn nach der Hatz hechelt das ausgepowerte Tier erst eine Viertelstunde lang am Boden.

Dann aber reisst es in aller Hast der Gazelle die besten Muskelstücke aus dem Leib.

Auch Beutetiere nutzen Geschwindigkeit als lebensrettende Taktik, nicht selten ergänzt durch raffiniertes Gruppenverhalten. So faszinieren riesige Schwärme von Vögeln und Fischen, die wie eine lebende Wolke über den Himmel oder durchs Wasser jagen, weshalb der jagende Falke oder der Hai eine einzelne Beute nur schwer lokalisieren kann. Zudem schafft der Schwarm mit synchronem Manöver um den Angreifer herum blitzschnell eine freie Lücke.

 

Trickreicher Hase

Zuweilen hilft der potenziellen Beute eine Kombination von langsam und schnell. Der Feldhase ist ein ziemlich wehrloses Wesen. Der einstige Steppenbewohner ist zum Meister der Tarnung geworden. Sein Balg ist eine Mischung heller und dunkler Farbtöne, die das natürliche Spiel zwischen Licht und Schatten, den Farbwechsel am Erdboden und an den Pflanzenteilen nachahmen. Spürt der Hase eine Gefahr, drückt er sich in eine Mulde und verharrt völlig regungslos.

Damit er auch möglichst ruhig bleibt, senkt der Hase den Puls von 120 Schlägen pro Minute auf nur noch sechzig. Nähert sich trotzdem ein Feind, rast der Hase im letzten Moment wie aus der Kanone geschossen aus der Deckung und sucht sein Heil in der Flucht. Um rasch auf Touren zu kommen, hat das Tier vor dem Sprint den Herzschlag auf den dreifachen Ruhepuls hochgejagt.

Und statt geradeaus wegzurennen, nutzt der Flüchtende sein berühmtes Hakenschlagen. Dank spezieller Beintechnik kann der Hase den Körper in vollem Lauf seitlich abdrehen und so die Fluchtrichtung abrupt ändern. Die überraschende und völlig unberechenbare Wende lässt selbst den schnellsten Fuchs oder Jagdhund ins Leere laufen.

 

Herbert Cerutti ist Autor und Tierexperte.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.