Ein Geständnis vorab. Ich bin kein Genie bei Blinddegustationen, schlimmer: Ich bin eine ziemliche Flasche. Ich habe ein relativ lausiges olfaktorisches Gedächtnis. Nicht, dass ich das nicht bedauerte. Besonders beim Wein, den ich heute vorstellen will. Er ist nur blind zu beurteilen, mobilisiert er doch vor dem ersten Schluck gleich mehrere Vorurteile. Einmal trägt er eine Etikette in der kupfergetriebenen Ästhetik jener Veranstaltungen, an welchen Weinbruderschaften einflussreichen Grossisten oder Diplomaten pergamentene Ehrenmitgliedschaften verleihen und Ketten um den Hals hängen: ein goldgeprägter Ritter, mein Gott. Zweitens ist er eine Cuvée, und zwar eine aus alten Trauben (Mer ...