«Ich bin kein Tenor, sondern ein Mann, der als Tenor singt.» Tito Schipa (18891965) wusste, warum er so sprach: Wer mit Gesang stilvoll Geschmeidigkeit, Weichheit und Wendigkeit zelebrierte, der konnte auf der Bühne nicht als richtiger Mann durchgehen. Mann, nicht geschlechtsneutrales Tenorwesen, wollte Schipa sein. Seine Aussage ist Ausdruck einer unheilvollen Entwicklung, die zur Frage führt, warum Tenöre glauben, brüllen zu müssen.
Verliert eine Tenorstimme an Männlichkeit, je eleganter sie klingt? Hört man sich Aufnahmen mit Ferruccio Tagliavini (19131995) oder Tito Schipa an, dann kann man die Angst der zeitgenössischen lyrischen Tenöre, als geschlechtsneutrale Wesen angese ...