Dass eine Sekretärin oder ein Stadtoberhaupt gesellschaftliche Disqualifikation riskieren, falls sie im falschen Moment und am falschen Ort die Sexualscham nicht beachten, hat nicht, wie zum Beispiel die Weltwoche behauptet, mit «Taliban-Moral» zu tun. Der Befund ist weder ein Produkt aufgeklärter «bürgerlicher Moral» noch auf den Einfluss der Kirchen zurückzuführen.
Aus volkskundlicher Sicht gehört die Scham zu den Grundtatsachen des Lebens, einer der Bedingungen der Zivilisation. Nur Kleinkinder, Senile und generell Unzurechnungsfähige sind von der Einhaltung der Schamregeln dispensiert. Indem sich der Stadtammann von Baden öffentlich «vor der ganzen Welt» schämte, bewies er ...