Die Schweiz ist für die Dichter und Denker des Landes fast ausnahmslos ein Kreuz, Bekenntnisse zum eigenen Staat gelten in ihren Reihen als Sakrileg. Aber wenn es einmal zu Debatten unter den Intellektuellen kommt, ist regelmässig die Schweiz der Anlass. Man kann das Phänomen negativen Patriotismus nennen: Noch in den Ritualen der Kritik scheint eine unausgesprochene Fixierung auf die Schweiz fassbar zu werden.
Überblickt man die Diskussionen der letzten Jahrzehnte, zeichnen sich wiederkehrende Muster ab. Der Literaturwissenschaftler Karl Schmid hat 1963 die These von einem «Unbehagen im Kleinstaat» aufgestellt, von dem etwa Max Frisch oder Conrad Ferdinand Meyer befallen gewesen seie ...