Am 17. Juli 1777 liess sich im Wohnhaus Albrecht von Hallers an der Inselgasse 5 in Bern – exakt am Ort, wo heute das Nobelhotel «Bellevue» steht – ein Graf von Falkenstein anmelden. Der Mann reiste inkognito: Er war kein Graf, sondern Kaiser Joseph II. Der Monarch erwies dem alten, von einer Harnwegentzündung gepeinigten Gelehrten seine Ehre, die Regierung der stolzen Alpenrepublik aber liess er links liegen.
Nichts illustriert anschaulicher als diese Episode, welche Bedeutung die Zeitgenossen dem vor 300 Jahren geborenen Wissenschaftler, Dichter und Staatsmann beimassen. Haller verblüffte, weil er alles zu wissen und zu können schien. Mit fünf Jahren predigte er den Bediensteten ...