Im Friseursalon Bartl ist das Geschäft eingebrochen. Nicht wegen der Wirtschaftskrise, sondern wegen des Haar- und Barterlasses. «Alle männlichen und weiblichen Mitwirkenden und alle Kinder, die an den Passionsspielen 2010 teilnehmen, werden hiermit aufgefordert, sich die Haare, die Männer auch die Bärte, wachsen zu lassen», heisst es auf den Plakatwänden. Damit unterliegen 450 Kinder, praktisch der gesamte Oberammergauer Nachwuchs, dem Haarschneideverbot. Dazu kommen die Erwachsenen, die hier geboren oder seit mindestens zwanzig Jahren ansässig sind. Jeder Zweite im Dorf spielt einen jüdischen Hirten, Tempelwächter oder Hohepriester, was einen haarschnittmässigen Totalausfall von ...