Ich befasse mich als Journalist seit fast zwanzig Jahren mit Klima und Energie. Vieles präsentiert sich mir heute anders als gedacht. Hier folgen drei Thesen zum Klimaschutz und drei Thesen zur Schweizer Energieversorgung:
These 1: Bei der Klimapolitik geht es nicht um Umweltschutz, sondern um einen sozialistischen Umbau der Gesellschaft.
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Nach dem Ende der Sowjetunion krallten sich die heimatlos gewordenen Sozialisten den Klimawandel und bliesen ihn zur «Klimakatastrophe» auf. So hatten sie nun ein mächtiges Instrument, um die Überwindung des Kapitalismus zu fordern und damit den Wohlstand zu zerstören. Denn die Netto-null-Ziele sind in einem marktwirtschaftlichen System niemals zu erreichen. Gefragt sind «Degrowth» und Rationierung, dank denen die sozialistische Mangelwirtschaft Realität wird.
These 2: Jeder in den Klimaschutz investierte Franken ist ein Verbrechen an der Menschheit.
Das oberste Ziel ist immer, das Wohl der Menschen zu verbessern. Investitionen in die CO2-Vermeidung sind aber verantwortungslos ineffizient. Laut dem Think-Tank «Copenhagen Consensus» von Björn Lomborg resultiert dabei ein Nutzen, der zum Teil geringer ist als die Kosten. Wenn man das Geld hingegen in die Bekämpfung von Malaria, in Impfprogramme, in Bildung, Familienplanung oder Ernährungsaktionen steckt, bekommt man einen Return on Investment, der locker um das Hundertfache höher liegt.
These 3: Die Welt braucht nicht weniger, sondern mehr fossile Energie.
Die Zahl der Todesopfer wegen klimabedingter Unwetterkatastrophen hat in den letzten hundert Jahren um 96 Prozent abgenommen. Die Menschen können sich vor allem dann besser vor dem Klimawandel schützen, wenn sie über die notwendigen finanziellen Ressourcen verfügen. Wirtschaftlicher Wohlstand ist aber nur möglich, wenn genug kostengünstige Energie bereitsteht. Weltweit gesehen, können das vorläufig nur fossile Brennstoffe leisten. Der Nutzen beim Einsatz von Kohle, Öl und Gas übersteigt den Schaden wegen der Erderwärmung bei weitem.
These 4: Die Schweiz steuert bei der Stromversorgung direkt auf den Abgrund zu.
Auch wenn der Ausbau von Wind- und Solarenergie wie vorgesehen realisiert wird, fehlt im Winter 2050 fast die Hälfte des Stroms. Nebelspalter-Kolumnist Martin Schlumpf belegt dieses riesige Elektrizitätsloch in einem bald erscheinenden Buch mit eindeutigen Zahlen. Weil aber das Ausland wegen der gleichen Energiewende kaum genügend Strom liefern kann, gehen in der Schweiz mit der aktuellen Politik irgendwann die Lichter aus.
These 5: Solar- und Windstrom sind ein Störfaktor im Netz.
Weil Solaranlagen und Windräder wetterbedingt immer wieder ausfallen, braucht es Back-up-Kraftwerke, um Dunkelflauten zu überbrücken. Das Energiesystem muss darum zu horrenden Kosten doppelt errichtet werden. Bei viel Sonne und Wind drohen aber wegen der Unmengen an Ökostrom Netzzusammenbrüche. Solange Solar- und Windstrom nur einen geringen Anteil im Stromsystem ausmachen, können die Störsignale wettgemacht werden. Wird es mehr, kollabiert das System früher oder später.
These 6: Atomkraft ist die sicherste, ökologischste und günstigste Energiequelle.
Keine Energieform verursacht, verglichen mit der produzierten Menge an Elektrizität, so wenig Todesopfer wie die Kernenergie. Die ökologischen Vorteile sind wegen der hohen Energiedichte enorm. Die radioaktiven Abfälle sind dank ihrem geringen Volumen bestens kontrollierbar. Der Bau von Atomkraftwerken kostet zwar Milliarden. Aber wegen der
langen Laufzeiten und der enormen Energiemengen ist Atomstrom die billigste Form von Elektrizität.
Alex Reichmuth ist Redaktor beim Nebelspalter.

