Sein Portemonnaie, ihr Entscheid
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Die Weltwoche

Sein Portemonnaie, ihr Entscheid

Tamara Wernli

Sein Portemonnaie, ihr Entscheid

Ständig sprechen wir über weibliche Selbstbestimmung, aber nie über männliche Ohnmacht.

Oha, ein männliches Wesen wagt es, ein heikles Thema anzusprechen, weist auf ein reales Problem hin, das Männer betrifft – und wird von der Moderatorin prompt mit einem sarkastischen Spruch abgefertigt: «Ich glaube, er hat zu viel über das Thema nachgedacht.» Sobald Männer zu genau über ihre eigenen Nachteile nachdenken, wird das nicht als Hinweis auf eine Imbalance anerkannt, sondern als Zeichen, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Vielleicht hat er ja einen grösseren Knoten in der Leitung.

Illustration: Fernando Vicente
Sein Portemonnaie, ihr Entscheid
Illustration: Fernando Vicente

Neulich stolperte ich über eine Szene der 3sat-Sendung «Bosetti Late Night», in der der Schriftsteller Ralf Bönt über die Ohnmacht von Männern in der Familienplanung sprach. Sinngemäss sagte er zu Sarah Bosetti: Männer hätten in Liebesdingen das Gefühl, nicht gewinnen zu können. Liebe, Sex, Fortpflanzung – alles liege faktisch in weiblicher Hand. «Sein emotionales Innenleben zählt nicht mehr.» Wer ein Kind bekommt, wer Vater wird, wer am Ende lebenslange Verantwortung trägt, all das entscheide letztlich allein die Frau. Ja, da hat er recht. Es ist eine unbequeme Wahrheit.

Selbstbestimmung ist das zentrale Recht einer Frau, «My body, my choice» — absolut richtig. Aber wenn wir schon von Wahlfreiheit sprechen – was ist mit seiner? Ein Mann kann nur Vater werden, wenn sie das will. Umgekehrt kann er ungewollt Vater und in eine finanzielle und emotionale Verantwortung gezwungen werden; auch das bestimmt die Frau. Muss man das nicht zumindest problematisieren dürfen? Die Natur hat der Frau die Macht über die Reproduktion gegeben. Es ist ein Paradebeispiel für einen Bereich, der zwar lebensverändernd ist, aber Männer vom Entscheid in letzter Instanz ausschliesst. Kein Wunder, sprechen manche davon, dass «My wallet, my choice» eigentlich fairer wäre. Nicht als Angriff auf das Recht der Frau zur Selbstbestimmung – sie kann sich selbstverständlich für das Kind entscheiden. Aber er sollte nicht finanziell für eine Wahl haften, die er nicht getroffen oder sogar abgelehnt hat.

Wer nur ausruft, wenn es dem eigenen Geschlecht nützt, entscheidet sich für Team Einseitigkeit.

Natürlich kann man hier einwenden: «Dann könnten sich Männer ja einfach aus der Verantwortung stehlen.» Stimmt. Genau deshalb ist es eine schwierige Debatte – aber hinhören können wir Frauen ja trotzdem. Es kann doch nicht sein, dass wir ständig über weibliche Selbstbestimmung reden, aber nie über männliche Ohnmacht. (Und dabei geht es nicht um Väter, die sich im Nachhinein drücken wollen. Sondern um Männer, die von Anfang an sagen: «Ich will dieses Kind nicht» – und dann trotzdem Verantwortung übernehmen müssen.)

Und diese Machtasymmetrie endet nicht bei der Entscheidung über eine Schwangerschaft – sie reicht bis zum Vaterschaftstest. Einen solchen durchzuführen ohne Einwilligung der Mutter ist strafbar. Ein Mann hat kein Recht, herauszufinden, ob er tatsächlich der biologische Vater eines Kindes ist, das er finanziell unterstützt und aufzieht. Das scheint mir besonders absurd. Schon der Wunsch nach Wahrheit wird oft als Affront gegenüber der Frau gewertet. Aber warum eigentlich? Das ist kein Angriff auf Frauen – es ist das Auskundschaften der eigenen Realität. Früher hiess es, es sei fürs Kind besser, irgendeinen Vater zu haben als keinen – egal, ob er der biologische ist oder nicht, und in einer Zeit, in der Frauen von Männern finanziell abhängig waren, war das nachvollziehbar. Aber heute tragen Frauen ihr eigenes Leben, sind unabhängig. Wäre es da nicht fair, wenn der biologische Vater auch die Verantwortung trägt – und nicht irgendein Mann, dem man die Wahrheit verschweigt?

 

Losgelöst von «Bosetti Late Night»: Ich beobachte oft, wie männliche Perspektiven in solchen Diskussionen reflexartig abgetan werden. «Mimimi» heisst es dann oder «Männer wollen wieder das Thema an sich reissen». Als ob es nicht in jeder grösseren Debatte längst primär um die Belange von Frauen ginge.

Es gibt hier keine einfache Lösung. Aber wer es mit Gleichberechtigung und einer fairen, offenen Debatte ernst meint, hört auch dann hin, wenn es um Machtgefälle geht, die Männer betreffen – ohne Spott, ohne Abwehrreflexe. Wer nur ausruft, wenn es dem eigenen Geschlecht nützt, entscheidet sich eben für Team Einseitigkeit. Dabei wäre es gar keine Hexerei: Männer wollen in diesen Fragen oft gar keine Kontrolle – sie wollen schlicht gehört werden.

 

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