Fleur Jaeggy ist dunkel wie eine verlassene Kirche, ihre Romane sind es auch. Das, was in der Schweiz so gerne verklärt wird: Berge, Spazierengehen, Hornkühe, entlegenes Wohnen, ist für die 1940 in Zürich geborene Autorin Projektionsfläche für Melancholie bis hin zum Schrecken der Einsamkeit. In einem ihrer Bücher lebt ein Mann, der sich das Leben nehmen will, neben einer Kirche. Als er den Revolver an seine Schläfe setzt, achtet er gewissenhaft darauf, dass der Schuss gleichzeitig zum Schlag der Glocke abgeht, damit es niemand hört. Jaeggys Romanfiguren steigen aus dunklen Gemälden hinab, so scheint es, glühen noch ein bisschen im alten ...