Weltwoche: Herr Prof. Perovic, sprechen wir zuerst über den amtierenden Präsidenten Lukaschenko. Warum konnte sich der «letzte Diktator Europas» so lange an der Macht halten?
Jeronim Perovic: Weil sein vorrangiges Streben seit seinem Amtsantritt 1994 darin bestanden hat, seine Macht als Präsident zu festigen und alle anderen politischen und gesellschaftlichen Institutionen zu schwächen oder seiner direkten Kontrolle zu unterstellen. Zudem schien die belarussische Gesellschaft lange in einer Art politischen Dornröschenschlaf versunken, die Menschen interessierten sich nicht sonderlich für Politik und liessen Lukaschenko gewähren. Solange auch die ...