1938 begann Dmitri Schostakowitsch ein Tagebuch zu führen. Kein verbales, sondern ein tönendes. Ihm vertraute er, voller Zeichen und Andeutungen, seine innersten Gedanken an. Die Reihe der Streichquartette, die bis zu seinem Tod 1975 auf fünfzehn Beiträge anwachsen sollte, spiegelt seine persönliche Situation wie auch das Zeitgeschehen – bisweilen offen ablesbar, oft aber verschlüsselt.
Dass der Auftakt 1938 erfolgte, war kaum zufällig. Schostakowitsch zählte erst 32 Jahre und war doch schon durch Höhen und Tiefen hindurchgegangen. Als frecher Experimentator hatte er begonnen, war von den sowjetischen Kulturfunktionären («Chaos statt Musik») gemassregelt worden und hatte in der ...