Solarboom wirft immer grössere Schatten
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Solarboom wirft immer grössere Schatten

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Der Hype um Solarstrom ist in der Schweiz unübersehbar. 2025 hat Solarenergie schon rund 15 Prozent des Schweizer Energiebedarfs gedeckt. Fotovoltaik eilt dank Förderungen und sinkenden Preisen der Solarmodule von einem Rekord zum nächsten. Der Interessenverband Swissolar gibt den Umsatz der Branche für 2025 mit rund 3,5 Milliarden Franken sowie die Beschäftigung mit rund 10 000 Vollzeitstellen an – «Big Business». Der Bundesrat will die Menge an Solarstrom in den kommenden fünf Jahren aber noch mehr als verdoppeln.

©Laurent Julliand / Contextes
Recycling-Albtraum: ausgediente Solarmodule.
©Laurent Julliand / Contextes

Doch während Stromanbieter wie die Centralschweizerischen Kraftwerke durch die gigantischen Mengen an schwankendem Solarstrom schon mit Preisschocks ringen, lauert bereits die nächste Herausforderung: Es ist die Entsorgung der Solarpanels. Was als grüne Revolution begann, dürfte bald zum Recycling-Albtraum mutieren.

 

Solarboom heisst Müllproblem

Die Solarmodule haben eine Lebensdauer von maximal 25 bis 30 Jahren und die ersten grossen Wellen der Entsorgung rollen bald an. In der Schweiz werden Fotovoltaikmodule zwar erst seit Anfang der 2010er Jahre in grösserem Stil installiert. Doch Solaranlagen werden auch durch Witterung beeinträchtigt und sind oft schon früher am Ende. Dies führt zu einem rascheren Recyclingbedarf. Seit 2022 fallen Solarmodule unter die Schweizer Verordnung über die Rückgabe, die Rücknahme und die Entsorgung elektrischer und elektronischer Geräte. Dabei werden Händler verpflichtet, ausgediente Elektrogeräte kostenlos zurückzunehmen und fachgerecht zu recyclen. Finanziert wird dieses System durch einen vorgezogenen Recyclingbetrag, der beim Kauf eines Solarmoduls erhoben wird, derzeit vier Rappen pro Kilogramm, womit die Stiftung Sens das Recycling finanziert. Sens holt die Module bei den Fachhändlern ab. 2022 waren dies schon sage und schreibe 936 Tonnen.

Rund 75 Prozent des Gewichts eines Solarmoduls können laut Swissolar wiederverwendet werden, 25 Prozent somit nicht. Dies sind viele Kunststoffe, die einfach verbrannt werden. Solarboom bedeutet Müllproblem. Die Schweiz entledigt sich dessen, wie so oft, im Ausland. Die Solarmodule werden derzeit praktisch alle in Deutschland recycelt. Mit dem Aufschwung an Fotovoltaik entsteht also bald ein neuer helvetischer Exportschlager: Solarabfall. Bei den 75 Prozent eines Moduls, die wiederverwendet werden können, trennen spezialisierte Unternehmen vier Hauptprodukte: Glas, Silizium, Aluminium und Kupfer. Schliesslich besteht ein Solarmodul nur aus Glasscheiben, Kunststoffschichten respektive Folien, einem Aluminiumrahmen und der eigentlichen Solarzelle, dem Silizium-Wafer.

 

Fehlerhafte Rechnung

Das Aluminium wird beim Recycling in der Schweiz mechanisch entfernt und dann in europäische Schmelzwerke transportiert, was allerdings die Umwelt wiederum erst einmal belastet. Glas, der Haupt-Wiedergewinnungsstoff, wird für die Produktion von Flachglas oder zu Baudämmstoffen aus Glaswolle aufbereitet. Laut Recyclingexperten stellt die Solarbranche die Möglichkeiten der Wiederverwertung übertrieben dar. Die tatsächliche Recyclingquote von Solarpanels soll bloss zwischen 50 und 60 Prozent liegen. Rund die Hälfte des Solarbooms landet also letztlich in Deponien oder in der Müllverbrennung.

Solarstrombefürworter legen Wert auf die Feststellung, dass Fotovoltaikanlagen positive Energiebilanzen aufweisen und 15- bis 20-mal mehr Energie produzierten, als für ihre Herstellung benötigt werde. Kritiker halten die Rechnung für fehlerhaft, weil nicht die gesamte Ökobilanz von der Wiege bis zur Bahre eines Solarpanels berücksichtigt werde. Ein ideologiefreies Nachrechnen dürfte sich da lohnen.

Rico Kutscher ist Chefredaktor des Wirtschaftsnews-Portals muula.ch.

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