Sound des Schreckens
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Die Weltwoche

Sound des Schreckens

Sound des Schreckens

Die markerschütternden Klänge des Dudelsackes gehörten einst zu den gefürchteten Waffen der schottischen Soldaten.

Dudelsack-Witze gibt es viele. Zum Beispiel: Was ist der Unterschied zwischen einem Dudelsack und einer Zwiebel? Niemand weint, wenn man einen Dudelsack zersägt. Oder: Wie definiert man einen Gentleman? Ein Mann, der Dudelsack spielen kann, dies aber nicht tut.

Die Witze gehören genauso zur Tradition wie das Instrument selber. So beklagte sich ein gewisser W. L. Manson schon vor 120 Jahren darüber, wie sich die Engländer gnadenlos über jeden Aspekt des schottischen Alltages mokierten. So habe man die Frechheit, zu behaupten, der Dudelsack habe in den vielen «gloriosen Siegen unserer Armeen» vor allem insofern eine wichtige Rolle gespielt, als dem Feind bei dem Krach nur zwei Möglichkeiten geblieben seien: Entweder sie seien geflohen oder hätten jegliche Lust am Leben verloren.

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Aufputschmittel: Sackpfeife.
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Mystische Aura

Dudelsäcke, auch Sackpfeifen genannt, sind in allerhand lokalen Variationen europaweit seit Jahrhunderten verbreitet. In historischen Zeugnissen taucht die klassische «Great Highland Bagpipe» indes erst spät auf. Zwei Jahrhunderte lang dauerte ihre Dominanz als wichtigstes Aufputschmittel für die schottischen Truppen im ewigen Kampf gegen die Engländer. Jeder Clan verfügte über mindestens einen Hof-Pfeifer – zum Gefolge von Bonnie Prince Charlie gehörten sogar deren 32. Ein gewisser James Reid musste sich wegen eines militärischen Vergehens vor Gericht verantworten. Er argumentierte, das Militärgesetz gelte für ihn nicht, er sei ja Musikant. Es nützte nichts; das Gericht befand, dass der Dudelsack eine Waffe sei genau wie das schottische Claymore, und er, Reid, darum sehr wohl ein Soldat.

Die Schlacht von Culloden im Jahr 1746, die mit einer schweren Niederlage der Schotten endete, markierte das Ende des Eigenbrötlertums. Erste gedruckte Sammlungen von Dudelsack-Melodien, dazu Virtuoso-Wettbewerbe und ein modisches Interesse im restlichen Grossbritannien für die Geschichte der Insel, sorgten dafür, dass der Dudelsack weiterlebte.

Die mystische Aura, die dem Instrument auch heute noch gern nachgesagt wird, geht auf diese Zeit zurück. Die gälischen Highlands mit ihren kargen Berglandschaften waren über Jahrhunderte weitgehend isoliert geblieben. Das trug der Bevölkerung den Ruf ein, aus urigen Naturmenschen zu bestehen, die in intimem Kontakt mit den heidnischen Bräuchen einer unbestimmten Vorzeit stünden. Im Klang des Dudelsackes mit der beschränkten Zahl der Töne, die mit der Spielpfeife möglich sind, dazu den Bordunpfeifen, aus denen ein ewig gleicher Grundton erklingt (auch drone genannt), kann mit etwas Fantasie durchaus eine nebelverhangene Felslandschaft samt Dämonen und Feen ausgemacht werden . . .

Keine Dudelsack-Variante hat einen druckvolleren und schärferen Klang als die «Great Highland Bagpipe». Schottische Regimente, die als Teil der britischen Armee auszogen, um das Imperium zu schützen, hatten nur schon aus Heimwehgründen, aber auch als Aufputschmittel Pfeifer dabei. So ging der Ruf des Instrumentes zusammen mit dem von Kilt und Whisky um die Welt. Kontext ist dabei alles. Im klassischen, «militärischen» Einsatz duldet das Instrument keine Widerrede: Mit dem markdurchdringenden Sound schafft es einen mitreissenden Druck, dem praktisch nur Trommler die Stirn bieten können.

Pop, Rock, Funk und Metal

Gerade dieser Sound ist es aber, der viele Ohren abschreckt und die Möglichkeiten eines vollblütigen Einsatzes einschränkt. Punktuell eingesetzt oder aber mit weniger Furor bespielt, werden die Verwendungsmöglichkeiten vielseitiger. Selbst die Pop- und Rockszene macht davon Gebrauch. AC/DC, Die White Stripes, Paul McCartney, Peter Gabriel («Mull of Kintyre»!), Tears for Fears oder gar die Funk-Kombo Parliament von George Clinton sind allesamt schon mit Pfeifern im Studio gewesen. Eric Rigler spielte an der Beerdigung von Ronald Reagan, taucht auf dem «Titanic»-Soundtrack auf und dudelte mit den harten Schottenrockern Biffy Clyro.

Der Versuch des schottischen Sängers Jesse Rae, sich mit Dudelsack, Kilt und Claymore als Popstar zu verkaufen, schlug indes fehl – vermutlich gerade wegen des «traditionellen» Images: Statt authentisch und reizvoll zu wirken, verkam es in seiner hollywoodmässigen Übertreibung zum Gimmick. Wiederum: Kontext ist alles. In der kontinentaleuropäischen Medieval-(Folk-)Metal-Szene, zu der auch die Schweizer Band Eluvetie gehört, tauchen Dudelsäcke genauso oft auf wie absurde Kostüme. Noch ein Witz gefällig? Wie merkt man, dass ein Dudelsack falsch gestimmt ist? Wenn jemand hineinbläst.

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