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Die Weltwoche

Steckt die Gen Z in der Liebeskrise?

Tamara Wernli

Steckt die Gen Z in der Liebeskrise?

Wenn junge Leute andere Werte nicht tolerieren, werden harmonische Beziehungen schwierig.

Junge Männer werden immer rechter und junge Frauen immer linker. Das ergab eine weltweite Studie des Survey Center on American Life. Frauen von achtzehn bis dreissig Jahren sind etwa 30 Prozentpunkte linker als ihre männlichen Altersgenossen. Die Financial Times behauptet, die Gen Z sei die erste Generation mit einer so ausgeprägten politischen Spaltung, normalerweise hätten Personen im ähnlichen Alter ähnliche politische Ansichten – naja, war zumindest früher so.

Copyright 2017 The Associated Press. All rights reserved.
A young couple share a moment together in Point State Park in downtown Pittsburgh on the first day of spring, Tuesday, March 21, 2017
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Lassen wir mal beiseite, dass es unterschiedliche Auffassungen davon gibt, was politisch links, rechts oder liberal bedeutet. Viel spannender ist, ob die politische Kluft dazu führt, dass junge Menschen immer weniger langfristige Beziehungen eingehen, wie Studien nahelegen. Vor allem die Ansprüche von Frauen an potenzielle Partner sind in den letzten Jahren gestiegen; sie suchen Männer, die gut kommunizieren und ihre Werte teilen. Ohne ein bisschen Gemeinsamkeit funktioniert es tatsächlich nicht. Nur, wie soll man zusammenfinden, wenn die Weltanschauungen immer mehr auseinanderklaffen?

Sieht man sich in Onlineforen oder den sozialen Medien um, wird das Ganze noch komplizierter. Da gibt es nicht nur einen Graben zwischen den politischen Ansichten, sondern auch jede Menge Vorurteile gegenüber dem anderen Geschlecht. Junge Männer schieben oft den Frauen die Schuld für ihr Singledasein zu und meckern über deren teils unrealistische Erwartungen, junge Frauen werfen den Männern mangelnde Sensibilität und Unterstützung vor. Man begegnet sich oft mit Misstrauen und zeigt ein geringes Interesse am gegenseitigen Verständnis. Das hat etwas von einem schlechten Romantikfilm.

Man begegnet sich oft mit Misstrauen. Das hat etwas von einem schlechten Romantikfilm.

Und dann haben wir Teile der Medien, die diese Atmosphäre der Gegnerschaft noch anheizen – gewiss nicht böswillig, aber wohl wissentlich. Man sorgt eben für Schlagzeilen. Da werden Geschichten zu Skandalen aufgebauscht, die eigentlich keine sind. Oder aus Unterschieden zwischen den Geschlechtern wird gleich eine Diskriminierung (der Frau) konstruiert. Geschlechterthemen werden einseitig behandelt, und irgendwie ziehen die Herren oft den Kürzeren. Kein Wunder also, dass sich manche jungen Männer fühlen, als sei ihr Gegner die Frau, obwohl ihr eigentliches Problem eher darin liegt, welches Bild heute von der modernen Frau projiziert wird. Und manche Damen glauben wirklich, dass Männer immer noch in der Steinzeit leben.

Diese ganze kultivierte Aufregung führt zwangsläufig auch dazu, dass man weniger tolerant gegenüber anderen Meinungen ist und alles nur noch in Schwarzweiss sieht. Kompromisse? Wer braucht die schon? Stattdessen entwickelt man die starre Überzeugung, selbst nie falschzuliegen, es dreht sich alles nur noch um die eigenen Bedürfnisse, und man ist immer weniger bereit, sich auf andere einzulassen. Dass das die Partnersuche sowie das Beziehungsleben nicht unbedingt vereinfacht, ist klar.

Wie sollen junge Leute auch Toleranz lernen, wenn ihnen von gestandenen Erwachsenen ständig vorgelebt wird, dass man Menschen mit anderen Ansichten nicht respektieren, sondern verurteilen soll, und zwar möglichst öffentlichkeitswirksam? Wenn vielerorts die Faustregel lautet, dass Andersdenkende entweder dumm, ungebildet oder einfach nur schlechte Menschen sind? Oder ideologisch verblendet? Das war nicht nur während der Pandemie zu sehen, sondern bei vielen anderen gesellschaftspolitischen Debatten auch.

Traditionell betrachten Männer Dinge oft aus einer rationaleren Perspektive und bevorzugen pragmatische Lösungen bei Problemen, das beinhaltet oft eine etwas härtere Gangart. Bei Frauen steht hingegen oft der soziale und empathische Aspekt im Vordergrund. Diese Unterschiede können sich in Beziehungen durchaus beissen. Früher, als es noch kein Internet und keine Social Media gab, waren wir auch nicht immer einer Meinung, aber Differenzen wurden durch persönlichen Austausch und eine harmonischere zwischenmenschliche Atmosphäre leichter überwunden.

Ich sehe das alles nicht so dramatisch. Menschen haben bisher immer Wege gefunden, um Schwierigkeiten zu überwinden. Die Gen Z wird das auch schaffen, solange sie nicht bei jedem potenziellen Match nach links swipt, der nicht in sämtlichen Lebensfragen zu 100 Prozent ihre Meinung teilt.

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