Süss, aber brutal
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

Süss, aber brutal

Babymetal: Metal Forth

Frank Farian, Erschaffer des Kunstpop-Ensembles Milli Vanilli, hat längst Nachfolger, die das Geschäft auf eine stellare Umlaufbahn katapultiert haben. Noch benötigen die Erfinder des japanischen Acts Babymetal reale Menschen, auch wenn deren Persönlichkeiten oder Biografien bei der Herstellung des Produkts kaum eine grössere Rolle spielen als die von Animationsfiguren. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Ästhetik aus Hardcore-Ballett, rosa Zuckerwatte und akustischen Peitschenhieben komplett aus dem KI-Kanal kommt?

Keimfrei: Babymetal.

Babymetal haben eine Schallmauer durchbrochen: Mit ihrem fünften Opus Metal Forth («Metal vor!») gelang der J-Pop-Formation samt den Gaststars Electric Callboy erstmals der Einzug in die Top Ten der amerikanischen Albumcharts. Das Album bietet eine stilistisch weit gefasste Mixtur aus rauen Amboss-Riffs, kühl eingeschliffenen Melodie-Applikationen und verchromtem Electronic-Body-Finish. Vergleichbares schaffte zuletzt Kyu Sakamoto vor 62 Jahren, als er mit japanischem Liedgut Rang 14 erreichte.

Ein Blick in die Statistiken genügt, um den Stellenwert und die Umsätze des Babymetal-Imperiums nachzuvollziehen. Allein der Ohrwurm «Gimme Chocolate!!» von 2015 verzeichnet bei Youtube über 200 Millionen Abrufe.

 

Presslufthammer-Klangtapete

In dessen Folge liessen sich auch ausserhalb Japans Konzertpaläste füllen, wie jüngst Londons Millennium Dome im Mai 2025 mit 20.000 Besuchern. Typisch für die Inszenierungen ist das vollkommene Fehlen von Dialog zwischen Band und Publikum. Bei Festivals wie «Rock am Ring» tauchte die Show bereits 2015 im Aufwärmprogramm klassischer Handarbeiter und Songwriter wie Kiss oder Metallica auf.

Typisch für die Inszenierungen ist das vollkommene Fehlen von Dialog zwischen Band und Publikum.

Der Name Babymetal war von Beginn an ebenso State of the Art wie das Konzept. Man nehme zwei elfjährige Tänzerinnen und eine f¨ünfzehnjährige Sängerin aus einer TV-Casting-Show für Schulkinder und lasse sie im nachtschwarzen Dirndl vor monumentalen Kulissen rhythmische Sportgymnastik betreiben – begleitet von einer Band, die vollmaskiert in Ganzkörper-Strampelhöschen auftritt.

Als Kontrast zur Presslufthammer-Klangtapete der Musiker quietschten die drei Mädchen, die zuvor keinerlei Berührung mit hartem Gitarrenrock hatten, herzige Lyrik wie «4 no uta» («Das Lied von der Vier»). Reduzierter lässt sich Pop-Poesie an der Spitze der Moderne kaum in Textzeilen schrauben:

Vier, vier! Vier, vier! Vier, vier! Vier, vier!
Nach eins kommt zwei (hey, hey!)
Nach zwei kommt drei (hey, hey!)
Nach der drei kommt, uh, uh, vier!

Der Babymetal-Geistesblitz erhellte 2010 das Kreativzentrum des japanischen TV-Produzenten Key Kobayashi. Er schmückt sich seither mit dem Künstlernamen «Kobametal». Kobayashi ist der Geburtshelfer eines vollkommen neuen Genres, des sogenannten Kawaii Metal – «kawaii» bedeutet so viel wie «süss». Seine Idee betrachtet er als göttliche Eingebung. Der britische Guardian sah darin hingegen den «Geniestreich eines teuflischen Machiavelli».

Im keimfrei durchgestylten Babymetal-Universum irgendeinen spirituellen Nährwert zu entdecken, fällt dem freigeistig gesinnten Musikliebhaber naturgemäss schwer. Daran ändert auch eine Äusserung von Rob Halford wenig. Der Gesangsgott der britischen Legende Judas Priest hatte 2016 nach einem Auftritt mit den drei Lolitas frohlockt, er habe «die Zukunft des Heavy Metal» erblickt.

Nur dreissig Sekunden mit dem begnadeten weiblichen mexikanischen Trio The Warning – und diese Prophezeiung liegt in Trümmern.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.