Susan Sontag (1933–2004) - Warum starren wir gebannt auf die Bilder der Flutkatastrophe in Südostasien? Was ist das für ein Konglomerat von Empathie, Beschämung und Voyeurismus, welches unsere Wahrnehmung eines Unglücks steuert? In den siebziger Jahren musste Susan Sontag nicht lange zögern, um darauf eine Antwort zu geben. In «Über Fotografie» störte sie sich an der Suggestionskraft der Bilder. Der Konsum von Kriegs- und Katastrophendarstellungen war für sie schlicht ein abstumpfender Akt der «Nicht-Einmischung».
Susan Sontag besass aber stets die seltene urintellektuelle Gabe, auch eigene Ansichten zu überdenken und gegebenenfalls zu korrigieren. Ihre Paradedisziplin war de ...