Der Schweiz steht eine Diskussion bevor, die spätere Historiker womöglich unter dem Stichwort "Antisemitismus" untersuchen werden. Im neuen Tierschutzgesetz will der Bundesrat das Schächtverbot nicht mehr drin haben, und er plädiert deshalb für dessen Abschaffung. Man könnte sagen: ein nicht ganz unheikles Plädoyer. Denn das heftige Kontra gegen die Art, wie jüdische und muslimische Glaubensgemeinschaften Tiere schlachten, hat in der Schweiz Tradition.
1893, als die Mitbürger jüdischen Glaubens gleichberechtigt geworden waren, sprach sich der Bundesrat gegen ein Verbot aus. Er hatte in den umliegenden Ländern eine Umfrage gemacht, wie sie das Schächten handhaben, und war mit den ...