Moskau
In Moskau liegen alle möglichen Gefühle in der Luft, gleichzeitig und eng beieinander: Trauer und Empörung über den Krieg, der unerschöpfliche Galgenhumor, unpolitischer Fatalismus und die Wagenburg-Mentalität der ewig Hintangesetzten. Kein Wort und keine Regung erinnern an den Überschwang nach der Krim-Annexion vor fast acht Jahren. Die wurde als kollektiver Befreiungsschlag empfunden, als Wiedergutmachung eines (wenn auch selbstverschuldeten) historischen Unrechts. Verglichen damit ist die Stimmung 2022 dumpf, trotzig und abgewandt, bewährt in alter Schicksalsergebenheit. Man wird den Krieg und die Sanktionen als (wenn auch selbstverschuldetes) kollektives Schick ...