Kein zweites Buch hat die Deutschen als Kollektiv dermassen erschüttert wie der 1967 erschienene Essay «Die Unfähigkeit zu trauern» der Frankfurter Psychoanalytiker Alexander und Margarete Mitscherlich. Es war, so hiess es in den Rezensionen, ein «Schlüsseltext» auf dem langen und beschwerlichen Weg zur «Bewältigung der NS-Vergangenheit» in der noch jungen Bundesrepublik. Statt um ihre Toten zu trauern, hätten sich die Deutschen in die Arbeit gestürzt, die «Erinnerungsverweigerung» habe zu einer «Gefühlsstarre» geführt, «die sich in unserem gesamten politischen und sozialen Organismus bemerkbar macht».
Inzwischen haben die Deutschen gelernt, wie man politisch korrekt trau ...