Es ist nicht einfach, sich im Gestrüpp zwischen moralischen Idealen, gesellschaftÂlichen Konventionen und politischem Tagesgeschwätz zurechtzufinden. Deshalb kann man den Missgriff der sprachkritischen Aktion verstehen oder sogar verzeihen. Dass möglichst viele Menschen gut seien, gehört zu den hehren Zielen der Kultur. Wie kann ein solches Wort Âeinen verächtlichen Klang bekommen?
Zunächst ist festzuhalten, dass ein Gutmensch nicht das Gleiche ist wie ein guter Mensch – so wenig wie ein Alt-Bundesrat das Gleiche ist wie ein alter Bundesrat oder ein Grünschnabel wie ein grüner Schnabel. Um verschlungene und widersprüchliche Sachverhalte auszudrücken, bietet die Sprache feinste ...