Bei öffentlichen Auftritten wirkt das Gesicht Martin Walsers seit einiger Zeit oft schmerzverzerrt. Gequält schien er mit sich zu ringen, als er bei seiner folgenreichen Frankfurter Friedenspreis-Rede gestand, bei den «schlimmsten Filmsequenzen aus Konzentrationslagern (...) bestimmt schon zwanzigmal weggeschaut» zu haben und sich gegen «die Dauerrepräsentation unserer Schande» zu wehren. Aber wer dieses Gesicht genauer betrachtete, musste sich auch die Frage stellen: Passt es zu Walsers Text? Liess es irgendeine erlösende Wirkung der Befreiung von der «geschichtlichen Last» ahnen? Oder deutete es gar auf Leichtfertigkeit im Umgang mit Vergangenheit hin?
Natürlich beides nicht. W ...