Schon der Titel weckt die Neugier nach verborgenen Geheimnissen: «Die Belebung der toten Winkel» nennt der Büchnerpreisträger Wilhelm Genazino seine Frankfurter Poetikvorlesung, und trifft damit die geisterhafte Leerstelle aller poetischen Produktion. Warum einer schreibt, wie er schreibt; warum einer erfindet, was er erfindet; warum einer für Wirklichkeit ausgibt, was in Wahrheit raffiniert arrangierte Virtualität ist – all dies gehört zu den ältesten und abgründigsten Rätseln der Literatur. Vielleicht, so hofft man, liefert Genazino mit seiner literarischen Selbsterkundung und Selbstbeschreibung Antworten auf Fragen, die man nie zu stellen wagte, so lapidar und komplex sind sie ...