Liest man den neuen Roman des amerikanischen Schriftstellers Philip Roth, weiss man wieder, was grandiose Literatur zu leisten vermag. Inmitten des Dschungels grassierender Marketingliteratur und belangloser saisonaler Zufallstreffer steht plötzlich ein fremdartiger Findling in der Landschaft. Einsam, erratisch, geheimnisvoll. Wie aus fernen Zeiten stammend. «Nemesis» ist der griechischen Göttin der ausgleichenden, vergeltenden, strafenden Gerechtigkeit gewidmet, und er stellt die letzten Fragen – bedrängend und gnadenlos. Er konfrontiert den Leser mit dem theologisch-philosophischen Rätsel, auf das es keine Antworten gibt. Es geht um die Frage nach Gott, der für das Gute stehen sol ...