Literatur und Geschlecht: Isolde Schaad geht aufs Ganze. Statt Briefe und Tagebücher nach Sensationen zu durchforsten, stösst sie mitten ins Œuvre der Probanden vor: «Die Wahrheit wird nicht biografisch entschlüsselt – man grabe im Werk – der Primärtext ist der Schlüsseltext!» Und es ist denn auch ganz erstaunlich, was die sich beziehungsvoll «Altfeministin» nennende Essayistin («Mein Text so blau») und Erzählerin («Keiner wars») in ihren elf Porträts zutage fördert: die Abkehr von der Norm als Kennzeichen einer neuen erotischen Identität, die sie mitnichten bloss bei feministischen Paradefrauen ausmacht, sondern auch bei Männern wie Frisch oder Handke, ja selbst bei e ...